Eversten - Minigolf spielt sie jetzt nicht mehr so oft. „Die Beine wollen nicht mehr so“, erklärt Grete Nehring. Im Alter habe man eben seine Zipperlein, sagt sie und muss selber ein bisschen schmunzeln, denn Grete Nehring, von allen Gretchen genannt, hat ein wahrlich gesegnetes Alter erreicht: Am Donnerstag feierte sie im engsten Familienkreis ihren 107. Geburtstag. Damit ist sie Oldenburgs älteste Einwohnerin (siehe Kasten).
Liebevoll wird sie abwechselnd von ihren drei Töchtern Ursula Alwon (80), Karin Schönweiler (69) und Rita Barthelt (62) in ihrer Wohnung in Eversten betreut. „Rund um die Uhr. Wir wechseln uns da ab“, erzählt Karin Schönweiler. Im Bad Zwischenahner Restaurant „Zur Kogge“ wurde der Geburtstag ganz ruhig bei einem Mittagessen gefeiert. Besonders freute sich Grete Nehring über einen Überraschungsgast: Ihre Enkelin Ines Schönweiler (30) war aus München angereist und brachte ihren Freund Harald Hüttl mit. Insgesamt gehören neun Enkel und 14 Urenkel zur Familie.
Gern in die Spielbank
In Bad Zwischenahn war Grete Nehring früher einmal im Monat, denn nicht nur Minigolf ist ihr Hobby – sie besuchte auch gern die Spielbank, um ihr Glück zu versuchen. Und das klappte auch oft. Das letzte Mal war sie zu ihrem 102. Geburtstag dort. „Da bekam ich freien Eintritt“, erinnert sie sich.
Erst im Rentenalter hat Grete Nehring das Glücks- und Minigolfspiel für sich entdeckt. Früher blieb dafür keine Zeit. Zwei Weltkriege hat die Oldenburgerin miterlebt, Nachkriegszeiten, in denen es nicht viel zu essen gab, und später das Wirtschaftswunder.
Zur Welt gekommen ist Grete Nehring in Osternburg. Sie wuchs in der Schützenhofstraße auf. Ihr Vater war bei der Bahn, die Mutter versorgte den Haushalt. Nach Beendigung der Schule, mit 14 Jahren, arbeitete sie als Kindermädchen bei einem Bauern.
Mit 23 Jahren heiratete sie Walter Biener. Der Flugzeugmechaniker, Vater ihrer beiden erstgeborenen Töchter Ursula und Erika (bereits verstorben), erlag im Alter von 32 Jahren den Spätfolgen eines Motorradunfalls. Um die Familie durchzubringen, arbeitete Grete Nehring als Schaffnerin bei der Reichsbahn. Mit 35 Jahren (1942) lernte sie ihren zweiten Mann kennen. Er war als Soldat in Kreyenbrück stationiert und wurde der Vater ihrer Töchter Karin und Rita. Nach dem Krieg war Grete Nehring unter anderem als Zustellerin bei der NWZ tätig. „Mutti hat ihr Leben lang gearbeitet und sich später um die Enkel gekümmert“, sagt Tochter Karin.
Hellwacher Geist
Die Fürsorge gibt die Familie nun an „Gretchen“ zurück. „Ich würde ja gern meinen 110. Geburtstag feiern“, sagt sie. Das Fest am Donnerstag hat die 107-Jährige mit dem hellwachen Geist jedenfalls genossen. zwischen Mittagessen und Kaffetafel wurde ein Spaziergang am Zwischenahner Meer unternommen. Dafür stieg Grete Nehring dann aber lieber in den Rollstuhl um, weil ja die Beine nicht mehr so wollen. Und wenn es ihr nicht etwas zu kalt gewesen wäre, dann hätte sie glatt noch eine Partie Minigolf gespielt.
