Nordenham - In der nördlichen Wesermarsch ist fast jeder vierte Arbeitssuchende 50 Jahre oder älter. Der Anteil der älteren Erwerbslosen aus der Generation 50 plus geht zwar allmählich zurück, liegt aber immer noch bei 28 Prozent. Auf der anderen Seite mangelt es in vielen Betrieben an Fachkräften. Die Personalprobleme verschärfen sich im Zuge des demografischen Wandels immer mehr. Daher gilt es jetzt verstärkt, die Arbeitgeber und die älteren Erwerbslose zusammenzuführen. In der Wesermarsch hat sich das Jobcenter dieser Aufgabe angenommen. Es beteiligt sich an einem regionalen Beschäftigungspakt, das den Titel „Perspektive 50 plus“ trägt.
Jobcenter-Geschäftsführer Günter Thielemann sieht großen Handlungsbedarf und hofft, dass die Ideen und Konzepte, die in dem Beschäftigungspakt entwickelt werden, eines Tages in die gesetzlichen Regelwerke einfließen werden. Das von der Bundesregierung geförderte Projekt „Perspektive 50 plus“ läuft bereits seit 2005 und endet in zwei Jahren. Das Jobcenter Wesermarsch ist seit 2008 dabei. Es arbeitet in einem regionalen Pakt mit den Job-Centern Wilhelmshaven, Friesland und Wittmund zusammen. Dieser Zusammenschluss entspricht der Jade-Bay-Region.
Wichtige Erkenntnisse
Zuständig für das Thema 50 plus ist in der Nordenhamer Jobcenter-Dienststelle die Arbeitsvermittlerin Anja Hoyer. Sie hat Anfang Oktober an einer großen Veranstaltung in Berlin teilgenommen, bei der alle 78 Beschäftigungspakte aus ganz Deutschland vertreten waren. Bei dem Erfahrungsaustausch wurde deutlich, dass die bisherige Umsetzung des Programms „50 plus“ schon wichtige Erkenntnisse für die Grundsicherung ergeben und damit zur Weiterentwicklung der Instrumentarien des Sozialgesetzbuches II beigetragen hat.
Aktueller Schwerpunkt des Projekts ist, die Kontaktaufnahme zu den Arbeitgebern zu intensiveren und die Betriebe gezielt zu informieren. Das Job-Center versteht sich dabei als eine Mischung aus Berater, Vermittler und Türöffner.
Geschäftsführer Günter Thielemann macht kein Geheimnis daraus, dass der Bestand an älteren Arbeitslosen in der Wesermarsch zwar leicht gesunken, aber immer noch vergleichsweise hoch sei. Als Begründung führt er an, dass es bei vielen Betroffenen neben dem Alter weitere Vermittlungshemmnisse gebe. Dazu zählen zum Beispiel eine fehlende Berufsausbildung und gesundheitliche Probleme.
Personal gesucht
Angesichts des wachsenden Personalmangels sind nach den Erfahrungen des Job-Centers immer mehr Betriebe bereit, ältere Menschen einzustellen. Das Klischee, dass ein Jobsuchender über 50 auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hat, ist längst überholt. Dank technischer Hilfsmittel gibt es kaum noch „Knochenarbeit“, die ein Höchstmaß an körperlicher Leistungsfähigkeit erfordern. Und das Kopfwissen – besonders im Bereich Computertechnologie – lässt sich durch Schulungen auffrischen. „Mit flankierenden Maßnahmen lässt sich viel erreichen“, sagt Anja Hoyer. Zudem hätten ältere Bewerber eine entscheidende Trumpfkarte: ihre Erfahrung.
Jürgen Mayer, Wirtschaftsförderer der Stadt Nordenham, begrüßt das Projekt „50 plus“ ausdrücklich. „Das ist ein ganz wichtiges und spannendes Thema“, sagt er mit Blick auf die Demografie. Daher unterstützt die Stadt Nordenham auch die Informationsveranstaltung, die unter dem Motto „In Zukunft viele Arbeit“ am 11. November in der Friedeburg stattfindet.
