Bösel - Leerstände, auseinandergezogene Pole, hohes Verkehrsaufkommen auf der Friesoyther Straße/Garreler Straße: Dass die Situation für den Einzelhandel in der Gemeinde Bösel einige Herausforderungen bereithält, davon konnte sich Carola Havekost, Geschäftsführerin der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer, jüngst selbst überzeugen. Havekost berichtete am Mittwochabend im Heimathuus in Bösel auf dem Unternehmerabend, zu dem der Handels- und Gewerbeverein Bösel eingeladen hatte, über ihre gewonnenen Erkenntnisse zum Einzelhandel in Bösel.
„Schade“, so HGV-Vorsitzender Frank Bornhorst, sei die geringe Resonanz auf die Veranstaltung: Keine 20 Besucher waren der Einladung gefolgt, darunter gerade einmal vier Einzelhändler. Dabei hatte Carola Havekost einige interessante Dinge zu berichten.
Das Wachstum bei den Verkaufsflächen auch im Bezirk der Oldenburgischen IHK halte an, schilderte sie, es komme zu einem regelrechten Verdrängungswettbewerb. Auch innerhalb der Kommunen komme es zu einem Wettbewerb der Standorte. Ein Nachsehen hätten häufig inhabergeführte Betriebe, die zunehmend durch Filialisten ersetzt würden, so Havekost.
Auch der Bereich E-Commerce, Online-Handel, habe Auswirkungen auf den Einzelhandel. „Das inhabergeführte Unternehmen in Bösel muss nicht mit Amazon und Ebay konkurrieren“, beruhigte Havekost. Sie ist aber der festen Ansicht: „Wer online heute gar nichts macht, der wird irgendwann Probleme bekommen.“ Der inhabergeführte Einzelhandel solle eher auf fachgerechte Beratung oder Service setzen als auf einen günstigen Preis. Der Online-Markt wachse zwar, die jüngere online-affine Generation wolle aber auch das Einkaufserlebnis. „Es muss Spaß machen, einkaufen zu gehen“, verriet Havekost das Erfolgsrezept.
Nach der Erhebung der IHK stünden dem Böseler im Jahr 4760 Euro für den Einzelhandel zur Verfügung, 2245 Euro werden in der Nahversorgung investiert. Bezogen auf die Einwohnerzahl ergibt sich daraus ein Kaufkraftvolumen von 35,6 Millionen Euro. Das Problem: Viel Kaufkraft fließt ins Umland ab, belegte schon die Haushaltsbefragung zum Einzelhandelskonzept für die Gemeinde Bösel 2008, das allerdings nie beschlossen worden war, und auch die Einzelhandelszentralität (s. Grafik). Schmerzlich vermisst wird etwa ein Drogeriemarkt.
Einige Verbesserungsvorschläge hatte Havekost im Gepäck: Über eine Außengastronomie könne man nachdenken. Fahrradständer sollten ebenso wie Mülleimer auf den neuesten Stand gebracht oder ausgebessert werden, mehr und moderne Sitzgelegenheiten regte sie an, in einigen Schaufenstern könne die Ware besser präsentieren werden. Viel Positives kann Havekost auch den braunen Hinweisschildern an den Kreuzungen nicht abgewinnen: zu wenig Orientierung etwa für den ortsfremden Autofahrer. Handlungsbedarf sieht Havekost auch bei den Öffnungszeiten der Geschäfte, die keineswegs einheitlich seien.
Als große Herausforderung machte sie den Leerstand aus: Gezielt müsse nach Einzelhandelsbetrieben gesucht werden. Bis zur Neuvermietung könnten Immobilien kurzfristig etwa für Kunstausstellungen genutzt oder Schulen oder Kindergärten zur Verfügung gestellt werden.
Die Einzelhandels-Expertin regte an, das 2009 im Auftrag der Gemeinde erstellte Einzelhandelskonzept auf den neuesten Stand zu bringen und vom Rat beschließen zu lassen. Das bedeute auch Rechtssicherheit und Verlässlichkeit für Unternehmer.
