Oldenburg - Wie finden Mittelständler im Nordwesten Mitarbeiter – und wie kann man diese binden? Anregungen dazu gab es für rund 300 Unternehmer, Personalchefs und Ausbilder am Donnerstag beim „2. Norddeutschen Kongress für Mitarbeiterbeteiligung“ in Oldenburg.
Gleich zum Auftakt gab ein Unternehmer aus der Region die Losung aus: „Wertschöpfung durch Wertschätzung“. Bodo Janssen, Chef der Touristikgruppe Upstalsboom aus Emden, erzählte seine Geschichte – und wie er heute extrem hohe Zufriedenheitsraten vorweisen kann. Er sei ins Kloster gegangen – und nach ihm 70 Führungskräfte. Entscheidend sei ein persönliches Leitbild. Eines seiner Ziele seien heute „starke Menschen“, sagte Janssen. Nun setzt er bereits bei den Azubis an: Einige besteigen zur Persönlichkeitsentwicklung sogar den Kilimandscharo in Tansania. Er wolle Mitarbeiter dabei unterstützen, sich darüber bewusst zu werden, was sie können – und dann Möglichkeiten zu geben, wie man diese Potenziale nutzen kann.
Die Bedeutung der Begeisterung von Mitarbeitern zog sich wie ein roter Faden durch den Kongress, der gut ein Dutzend Referenten zusammenführte. Er wurde vom Osnabrücker Veranstalter Wiese ausgerichtet und auch von der NWZ unterstützt. Personalchef Thomas Becke betonte, es sei wichtig, zufriedene Mitarbeiter in regionalen Unternehmen zu haben – auch um weitere aus anderen Regionen gewinnen zu können.
Diesen Ansatz unterstrich Gunter Olesch, Geschäftsführer beim Elektronik-Ausrüster Phoenix Contact. Seine Firma sei im ländlichen Raum (Blomberg/Ostwestfalen) angesiedelt. Ziel müsse es sein, dass man anderenorts sage: „Da will ich hin.“ Wichtig sei eine Vision („Wir sind einer der besten Arbeitgeber“, die man umsetze. Die „Generation Y“ suche „Sinnhaftigkeit, nicht einen Job“ sowie eine „Balance aus Beruf und Privatleben“. Olesch, der in der Freizeit in einer Rockband spielt, riet dazu, Mitarbeiterbedürfnisse regelmäßig per Fragebogen zu ermitteln.
Jana Tepe, Chefin von tandemploy.com, legte dem Publikum nahe, sich mit neuen Varianten von Job-Sharing zu befassen, die über das klassische Teilzeitarbeit-Verständnis hinausgingen. Damit könne man Mitarbeiter halten – und neue (Teams) gewinnen.
Der Unternehmer Professor Jörg Knoblauch (Tempus) betonte die Bedeutung eines sorgfältigen Einstellungsprozesses – bis hin zur Bereitschaft, auch im letzten Schritt – einer Probezeit – noch Meilensteine zu vereinbaren und zu kontrollieren. Sehr wichtig seien zudem „klare Ziele“.
Die Serviceexpertin Sabine Hübner appellierte an Führungskräfte, ihre Mitarbeiter zu begeistern, damit diese wiederum ihre Kunden begeistern könnten.
Der frühere Olympia-Teilnehmer Frank Busemann (Zehnkampf) riet den Chefs dazu, „sich als Trainer zu sehen“. Es gehe darum „Menschen zu begeistern, Menschen zu entwickeln“.
Beim „Begeisterung-Kongress“ gab es noch zahlreiche weitere bekannte Namen auf dem Programm – darunter Daniela A. Ben Said, die Vielfalt (Diversity) im Betrieb empfahl, oder Sabine Asgodom, die zu einem emotionaleren Führen riet.
