Blexen - Wenn Hans Francksen im Februar den Ruhestand antritt und auf die wichtigsten Projekte in seiner Amtszeit als Bürgermeister zurückblickt dann, wird eins ganz bestimmt dabei sein: die Erschließung des großen Industriegebietes auf dem Blexer Groden. Dieses ehrgeizige Vorhaben, das immerhin fast 9 Millionen Euro kostet, ist ihm eine Herzensangelegenheit. Daher findet es der Bürgermeister überhaupt nicht witzig, dass einige Kritiker den Erfolg der Investition in Zweifel ziehen und die Befürchtung verbreiten, weite Flächen des 49 Hektar umfassenden Areals könnten zu einer Industrieruine verkommen. „Das ist völliger Unsinn“, sagt der Bürgermeister und verweist auf die jetzt anlaufende Marketingoffensive, mit der die Stadt Nordenham neue Betriebe nach Blexen locken will.
Broschüre „Windzeitraum“
In Zusammenarbeit mit der Nordenhamer Werbeagentur MSW hat das Wirtschaftsförderungsamt eine Broschüre mit dem Titel „Windzeitraum“ herausgegeben, die gezielt die Vorzüge des Industrieparks Blexen als Ansiedlungsgebiet für Offshore-Unternehmen anpreist.
Von der Strategie, mit den neuen Gewerbeflächen vor allem Produzenten von Rotorblättern anzusprechen, ist die Stadt Nordenham allerdings abgewichen. Stattdessen stehen nun stahlverarbeitende Betriebe, die Gondeln oder andere schwere Komponenten für Windkraftanlagen herstellen, im Fokus. Diese Ausrichtung begründet Hans Francksen mit der in ihrer Leistungsfähigkeit europaweit einmaligen Schwerlastkaje, die am Weserufer auf dem Steelwind-Gelände entstanden ist. „Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können“, sagt der Bürgermeister.
Dass der Industriepark Blexen für Betriebe aus der Windenergie-Branche attraktiv ist, haben Bürgermeister Hans Francksen und Wirtschaftsförderer Jürgen Mayer schon mehrfach bestätigt bekommen. Zum Beispiel von den Rotorblätter-Herstellern Sinoi und Mitsubishi, die sehr an einer Ansiedlung auf dem Groden interessiert waren, aber dann aufgrund der politischen Unsicherheiten in der deutschen Off-Shore-Stromförderung absprangen. Die Gespräche mit diesen Unternehmen haben laut Jürgen Mayer gezeigt, „dass wir auf dem richtigen Weg sind und die Anforderungsprofile erfüllen können“. Das belege auch die gute Bewertung mit Platz vier in einem internationalen Ranking für Off-Shore-Produktionsstandorte an der Nordseeküste,
Von den insgesamt 49 Hektar Ansiedlungsfläche sind 13,5 Hektar an Steelwind vergeben, für weitere 4 Hektar hat die Stadt feste Interessenten. Dabei handelt es sich um regionale Zulieferbetriebe. Hans Francksen geht davon aus, dass die Verkaufsverträge noch in diesem Jahr besiegelt werden. Mit den dann veräußerten 17,5 Hektar käme die Stadt einschließlich der Fördergelder auf eine Einnahme von 7 Millionen Euro.
10,5 Hektar im Angebot
Bliebe also noch ein Fehlbedarf von gut 1,5 Millionen Euro, der durch weitere Grundstücksverkäufe abgedeckt werden soll. Dafür stehen 10,5 Hektar städtische Flächen im westlichen Teil des neuen Industriegebietes zur Verfügung. Zudem kooperiert die Stadt Nordenham bei der Vermarktung mit der Kronos Titan GmbH, die sich 20,5 Hektar gesichert hat. „Ich bin zuversichtlich, dass weitere Betriebe kommen werden“, sagt der Bürgermeister, „auch wenn es ein paar Jahre dauern kann, bis alle Flächen vermarktet sind.“
