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Serie Mit diesem Milchmädchen ist zu rechnen

Lea Bernsmann

Wüsting - „Komm mal her“, lockt Mareen Meyerholz und streckt ihren Schützlingen die Hand entgegen. Sie greift ins Stroh auf dem Boden, raschelt damit und wartet geduldig. Lange dauerte es nicht, da scharen sich rund 60 Kälber um die 18-Jährige und stupsen mit ihren rosa Mäulern gegen die Gummistiefel ihrer Ziehmutter.

„Die Kleinen zu versorgen, ist meine Aufgabe“, sagt sie, stützt sich mit einer Hand auf dem Bein ihrer Latzhose ab und erhebt sich aus der Hocke.

Hier im Stall beginnt um sechs Uhr morgens der Arbeitstag für die Auszubildende im zweiten Lehrjahr. Aber nicht nur für sie: Die Pfahlhauserin will Landwirtin werden, da sind auch später, nach der Lehre, keine „Herrenjahre“ in Aussicht. Zumindest, was die Arbeitszeiten betrifft: Feierabend auf den bäuerlichen Betrieben ist nämlich auch erst um 19 Uhr. Trotzdem kommt für Mareen kein anderer Beruf in Frage.

Erbe steht fest

„Das war schon immer so“, erklärt die Tochter eines Landwirts. Mit leuchtenden Augen erzählt sie von dem elterlichen Hof in der Nähe von Berne, den Schweinen und Kühen, der herrlichen Landluft und ihrem Hund. Eigentlich steht für die 18-Jährige bereits fest, dass sie den Betrieb später vom Vater übernehmen will.

Traumberuf gefunden

„Meine Schwester wird Bankkauffrau. Ich war schon früher die Tierliebhaberin und auf dem Trecker bin ich mitgefahren, bevor ich das erste Mal in einem Auto saß“, erinnert sich Mareen.


Überhaupt: Trecker fahren ist das Tollste, was es gibt. Über den Hof oder quer durch Wüsting. Hier wohnt die 18-Jährige jetzt nämlich unter der Woche. Auf dem Hof Emken, wo sie ihre Lehre macht, hat sie ein eigenes Zimmer. In dem Anbau vor dem großen Haus, unter dessen Dach sich vier Generationen Landwirte versammeln. Der Älteste „Opi Emken“ – wie Mareen sagt – ist 90, der jüngste Urenkel drei Jahre alt.

Zu den Mahlzeiten trifft sich die ganze Familie in der Küche vom Enkel Frank Emken. Dabei darf auch die Auszubildende nicht fehlen. Frühstück gibt es um neun. Dann wird der Tag besprochen. Vorher steht die Stallarbeit, das Ausmisten und das Melken an. 120 Kühe müssen zusammen getrieben werden. Milchmaschinen gibt es keine. Nur einen „Kälberautomaten“. So nennt Mareen die große Maschine, an der jedes Jungtier einzeln gefüttert wird.

Als Lehrling ist es ihre Aufgabe, zu überprüfen, ob all „ihre Zöglinge“ mit der Milchpulvermischung versorgt sind. Wenn eines von ihnen krank werde, kümmere sie sich um den Tierarztbesuch. „Neulich“, erinnert sie sich, „musste eines eingeschläfert werden, das war sehr traurig“.

Schweine, wie bei ihren Eltern, gibt es auf dem Wüstinger Hof keine. Später will sie auf jeden Fall welche haben. Aber erstmal stehen ihr noch zwei Jahre bis zur fertigen Gesellin bevor. Einmal pro Woche lernt sie in der Berufsschule, was angehende Landwirte über Bodenkunde, Flächenbearbeitung und Tiergesundheit wissen müssen.

Fußball entspannt

Unter ihren 15 Klassenkameraden gibt es außer ihr noch fünf andere Mädchen. „Ungewöhnlich“ sei ihr Berufswunsch also nicht. „Übrigens, wenn ich ausgehe, trage ich auch hohe Schuhe und schminke mich“, versichert die 18-Jährige.

Alle zwei Wochen muss sie auch sonnabends und sonntags auf dem Hof mithelfen. „Feiern gehe ich trotzdem“, verrät sie, „dann mache ich die Nacht eben durch, bis sechs Uhr früh schlafen lohnt sich nicht.“ Wirklich schlimm findet sie diese langen Tage nicht. Klar sei wenig Zeit für Freunde und Familie. „Und manchmal wird’s echt knapp mit dem Fußballtraining“, gesteht Mareen. Aber auf dem Rasen beim Toreschießen könne sie am besten ausspannen und den Kopf frei kriegen.

„In diesem Beruf musst du flexibel sein“, sagt die 18-Jährige. Vieles hänge vom Wetter ab. Wann Silo gefahren werden kann, zum Beispiel. Und vor allem Anderen stünde immer die „Tiergesundheit“ an erster Stelle. Klauen pflegen und Kühe scheren gehören dazu. Auch über die empfindlichen Mägen der gefleckten Milchgeber weiß Mareen bestens bescheid: „Eine Mischung aus Gras, Mais und Kraftfutter ist am Besten“, fachsimpelt sie.

Berliner Luft stinkt

Kürzlich hat Mareen Urlaub in Berlin gemacht. Ein paar Tage in der hektischen Hauptstadt aber haben ihr genügt. „Die vielen Leute und Autos, die ganze Hektik, nirgendwo war man allein. Das ist nichts für mich“, sagt sie kopfschüttelnd. So „braust“ sie mit 30 Stundenkilometern auf dem Trecker durch Wüsting. Und auch, wenn sie „lieber ihre Ruhe hat“, Langeweile kommt zwischen 60 vorwitzigen Kälbchen sicher nicht auf.

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