Jever - In Leer, Emden und Aurich ist das Projekt bereits angelaufen – im Jeverland könnte es demnächst beginnen: Unter dem Label „Die faire Milch“ haben sich Milcherzeuger in ganz Deutschland zusammengeschlossen, um ihre Milch zu fairen Preisen selbst zu vermarkten.
Hinter dem Projekt steht der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), dem auch im Jeverland mehrere Landwirte angehören. Der Verband setzt sich dafür ein, dass der Milchpreis durch Mengenregulierung so gestaltet wird, dass die Erzeuger ihr Auskommen haben und nicht draufzahlen müssen.
Für „die faire Milch“ haben Bauern aus ganz Deutschland ihre eigene Firma gleichen Namens gegründet. Sie lassen bei mehreren Molkereien in ganz Deutschland ihre Milch abfüllen, die dann in einer weißen Verpackung mit schwarz-rot-goldener Kuh „Faironika“ – dem Maskottchen des BDM – in den Handel geht. Im Jeverland werden zurzeit Gespräche mit den inhabergeführten Edeka-Märkten geführt – die Landwirte hoffen, dass ihre Milch bald überall in den Regalen steht.
Die Milch sei gleich dreifach fair, erklärten Karin Mansholt, Landwirtin in der Krummhörn und BDM-Regionalleiterin für Ostfriesland, sowie Heiko Schulte, BDM-Kreisteamleiter Aurich, an ihrem Stand beim jeverschen Brüllmarkt: Zum einen sei die Preisgestaltung transparent und liste von Erzeugung bis zur Verpackung alle Kosten auf – davon profitiere der Verbraucher.
Zum anderen sei die Milch fair zur Kuh: Die Milcherzeuger verpflichten sich zu artgerechter Fütterung und Haltung ihrer Tiere. Vorgeschrieben ist ein Grünfutteranteil von mindestens 50 Prozent und ein Maisanteil von maximal 30 Prozent, Kraftfutter muss gentechnikfrei produziert werden und darf nicht aus Übersee importiert sein. „Diese Form der Fütterung wirkt sich direkt auf den Geschmack der Milch aus“, betont Karin Mansholt.
Und zudem sei die Milch fair zum Bauern, denn der erhalte einen angemessenen Preis für sein Produkt, der die Kosten deckt und eine Weiterentwicklung des Betriebs möglich macht.
Zusätzlich verpflichten sich die Milcherzeuger, die „faire Milch“ produzieren, dazu, auf ihren Höfen Umweltschutzprojekte umzusetzen. Ein Beispiel sei die bienen- und vogelfreundliche Nutzung der Flächen, erklärt Karin Mansholt: Geachtet werde auf Mähzeiten und Mähgeschwindigkeiten sowie auf Blühpflanzen für Bienen.
„Auch in Friesland stellen zurzeit mehrere Betriebe auf faire Milch um“, berichtet Karin Mansholt: Dreh- und Angelpunkt dabei ist der Verzicht auf Futtermittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen. „Wir haben zweieinhalb Jahre lang in Niedersachsen bei den Futtermittelproduzenten für Gentechnikfreiheit geworben“, berichtet sie.
Neben der Vollmilch bietet das Label „die faire Milch“ auch Schokomilch an – das besondere daran: Auch der Kakao stammt aus fairem Handel und der verwendete Rohrzucker ist ebenfalls gentechnikfrei.
