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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Mit Geduld und Willen zur Fachkraft

25.03.2017

Oldenburg Hussein Kerri lächelt, als er über Mohammed Juma erzählt. „Er ist ein wahrer Glückstreffer“, sagt der Integrationsberater der Handwerkskammer (HWK) Oldenburg am Freitag in der HWK-Zentrale in Oldenburg über den 24 Jahre alten Syrer. Kennengelernt hat ihn Kerri im März 2016 in Bad Zwischenahn (Kreis Ammerland). „Ich habe mit sechs Flüchtlingen gesprochen, drei von ihnen waren bereits in Ausbildung, Jumas Sprachkenntnisse reichten dafür zwar noch nicht aus, aber ich habe gemerkt, dass er den Willen hat“, sagt Kerri.

Ausreichende Sprachkenntnisse hat sich Juma selbst angeeignet. Sein Abitur hat er in Syrien gemacht und dort bereits ein Semester lang studiert. Zurzeit absolviert er eine Einstiegsqualifizierung beim City Salon in Oldenburg, der zur Arto Team GmbH gehört. Am 1. August beginnt er dort seine Ausbildung zum Friseur, nebenbei verbessert er seine Deutschkenntnisse.

Paul Himmel ist Leiter des City Salons. „Bei einem zweiwöchigen Praktikum haben wir schnell gemerkt, dass er talentiert ist und sich für den Beruf begeistert. Er lernt sehr schnell und zeigt viel Eigeninitiative“, sagt Himmel. Ziel sei es, Juma und andere Flüchtlinge, die eine Ausbildung beginnen, langfristig an Unternehmen zu binden. „Gerade auch mit Blick auf den Fachkräftemangel“, erklärt der Präsident der HWK Oldenburg, Manfred Kurmann. Daher gebe es das Integrationsprojekt handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber (Ihafa).

Vor einem Jahr hatte die Kammer ihre Beteiligung an dem vom niedersächsischen Wirtschaftsministerium geförderten Projekt vorgestellt. Beteiligt sind auch Landkreise, die Agentur für Arbeit und das Jobcenter. „Die Resonanz der Betriebe aus der Region ist sehr gut, zum Start hatten sich 250 Betriebe bereit erklärt, geflüchteten Menschen einen Praktikumsplatz und bei fachlicher Eignung und sprachlicher Qualifikation einen Ausbildungsplatz anzubieten“, sagt Heiko Henke, Hauptgeschäftsführer der HWK Oldenburg. Die erste Staffel des Projektes lief vom November 2015 bis Januar dieses Jahres und wurde mit 1,1 Millionen Euro gefördert. Das Projekt sei verlängert worden, sagt Kurmann. Im Oldenburger Land sind 77 Geflüchtete gemeldet, die eine reguläre Ausbildungsstelle im Handwerk begonnen haben – davon 25 aus dem Ihafa-Projekt. Hinzu kommen aus dem Projekt 20 Einstiegsqualifizierungen und 202 Praktika – bei insgesamt 411 Projektteilnehmern.

Zentrales Problem sei nach wie vor die Sprache, die meisten Sprachkurse seien auf längere Zeit hin ausgebucht. Die Abbrecherquote bei Ausbildungen liege bei etwa fünf von 25, das sei „im normalen Bereich“, erklärt Kurmann. Ein Fehler sei es, Flüchtlinge überstürzt in ein Ausbildungsverhältnis zu bringen. „Sie müssen sowohl Sprache als auch die neue Arbeitskultur kennenlernen, sonst führt das zu Frust auf beiden Seiten“, erklärt Kerri. „Ein großes Argument für eine Ausbildung ist die langfristige Perspektive – im Gegensatz zu Hilfsjobs“, sagt Henke. Wer nicht in Deutschland bleiben dürfe, könne sich mit einer abgeschlossenen Ausbildung immer noch eine Existenz im Heimatland aufbauen.

Sabrina Wendt
Redakteurin
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2042

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