Ganderkesee - Der Schutz ist Pflicht: Im gelben Friesennerz mit Hose und Gummistiefeln tritt Heinz Fingerhut, Vorsitzender der Ortsgruppe Ganderkesee im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) seinen Dienst an. „So lockst Du den Regen an“, frotzelt einer der Mitstreiter. Doch der „Anzug“ zur Bekämpfung des Riesen-Bärenklaus, auch als Herkulesstaude bekannt, hat seine Berechtigung. Kontakt mit der Pflanze kann zu schweren, verbrennungsähnlichen Schäden der Haut führen.
Regen hinterlässt Spuren
Bereits zum fünften Mal stand am Sonnabend die gemeinde-weite Aktion zur Entfernung des Riesen-Bärenklau an. Die auf Initiative des Nabu Ganderkesee im Jahr 2009 gestartete Aktion gilt inzwischen als feste Position im Terminkalender von Naturschutzorganisationen und Ortsvereinen. „Die unangenehmen Erfahrungen einiger Bürger haben uns damals bewogen, die Aktion zu starten“, erklärt Fingerhut. „Gerade spielende Kinder finden die Pflanze vielleicht toll und würden sich äußerst unangenehm verbrennen.“
„Die vielen Regenfälle der vergangenen Tage haben dazu geführt, dass die Gewässersohlen nur schwer zu bearbeiten sind“, erklärt Carsten Wünker, Fachdienstleiter Natur in der Gemeindeverwaltung. Er teilt am Treffpunkt Wagnerstraße die Gruppen ein: Zwei Teams sind entlang der Dummbäke im Einsatz, eines am Heider See und eines auf einer Fläche im Immer. Mitarbeiter des Kommunalservice Nordwest sind in Hoykenkamp, Bookholzberg und Almsloh im Einsatz. Ein Team hat schon ganze Arbeit geleitet: „Die Schafe weiden den Bärenklau ganz gut ab“, so Wünker. Die Pflanze komme zwar wieder, blühe aber im gleichen Jahr nur sehr selten.
Wurzel in blauen Sack
Das Tal der Dummbäke befreien Marten von Seggern und Dr. Reinhold Schütte, Vorsitzender des Umweltausschusses, vom Bärenklau. „Die Pflanze treibt zwei Jahre lang“, weiß Schütte, „im dritten Jahr bekommt sie Blüten.“ Nun die Zeit ideal, um die Staude zu bekämpfen. Ausgewachsene Pflanzen können bis zu 50 000 schwimmfähige Samen bilden, die unter optimalen Bedingungen acht bis zehn Jahre keimfähig sind.
Von Seggern und Schütte stechen Stängel samt Blütenstand ab. Auch die rübenförmige Wurzel landet im blauen Sack. Es habe bereits Versuche gegeben, den Bärenklau mit Herbiziden („Garlon 4“) zu bekämpfen. Das sei gerade in Gewässernähe höchst gefährlich, erläutert Schütte.
Zum Abschluss ziehen die Helfer eine positive Bilanz: „Es geht deutlich bergab mit den Beständen“, so Wünker unter Hinweis auf die Einsätze in den vergangenen fünf Jahren. „Wir hatten Mühe, noch Stauden zu finden.“ Auf der Gemeindekarte seien mehr Flächen nun „Bärenklau-frei“.
