Oldenburg - Mancher könnte daran verzweifeln: die vielen Konflikte im Beruf wie auch im Privatleben, obwohl man sich doch eigentlich nach Harmonie sehnt. Das Leben sei anders, als viele es sähen, sagt Dr. Reinhard K. Sprenger: Der Konflikt sei nämlich das Normale, und die Harmonie sei die Ausnahme, meinte er am Montagabend bei der Vortragsreihe „NWZ-Impulse“. Das müsse man sich erst einmal klarmachen, denn Konflikte würden gemeinhin eher vermieden oder gar tabuisiert, sagte der Führungskräfte-Trainer (Winterthur) zum Auftakt der Veranstaltungsserie 2014 im Kino 5 des Oldenburger Cinemaxx.

Sprenger dagegen sieht in Konflikten die Chancen zu neuen Erkenntnissen, zur Fortentwicklung. Er warnte zugleich vor rund 300 Zuschauern davor, Konflikte unbedingt „lösen“ zu wollen, zumal viele Menschen gar keine Lösung wollten, weil die Situation ihnen auch Vorteile biete. Sprenger empfahl, eine mentale Distanz zum Geschehen aufzubauen. Ziel solle es quasi sein, die vom Konflikt geprägte Situation besser zu handhaben, leichter damit umgehen zu können.

Die Lösung sei die Fähigkeit, die Konflikte zu „sehen“ meinte Sprenger: Jeder Beteiligte habe auf seine Weise, auf der Basis seiner individuellen Erfahrungen, recht. Sprenger: „Dies anzuerkennen, ist extrem Frieden stiftend“. Andersherum nehme sonst leicht ein Drama seinen Lauf.

Letztlich seien Konflikte oft ganz einfach eine „Situation unterschiedlicher Erwartungen“. Problematisch sei, dass viele Erwartungen nicht offen ausgesprochen würden. Das gelte auch für Unternehmen. Und so komme es zu Ärger.

Sehr praktisch könne es dagegen sein, Erwartungen offen zu kommunizieren, dann zu verhandeln, ob man sich annähern könne oder aber zumindest festzustellen: Die Erwartungen beider Seiten passen nicht zusammen.

Sprenger (60) riet, sich von Erwartungen zu befreien. Man sei sonst in hohem Maße fremdbestimmt, man gebe anderen sehr viel Macht über einen selbst. Vieler Ärger sei letztlich das „Ergebnis verkrampfter Erwartung“. Wenn das Lebensglück davon abhänge, ob einer etwas tue, was man selbst von ihm erwarte, dann habe man ein Problem. Als Zielperson der Erwartungen sollte man möglichst signalisieren: Ich ehre Deine Erwartungen, treffe aber eigene Entscheidungen.  In der zweiten Veranstaltung aus der zehnteiligen Reihe „NWZ-Impulse“ wird Peter Brandl zum Thema „Hurricane Management“ sprechen (Cinemaxx Oldenburg, 3. März, 19.30 Uhr, Buchung über www.sprecherhaus.de).