Kirchhatten - Ananas, Blumenkohl, Wassermelone. Das sind nicht nur vitaminreiche und gesunde Lebensmittel. Sie gehören auch zu den ersten Wörtern und Begriffen, die die Flüchtlinge in dieser Woche in dem neuen Sprachkurs der VHS gelernt haben. Dozentin Astrid Buß schrieb die Wörter an die Tafel, unmittelbar darüber hat sie mit ihren Teilnehmern die Obst- und Gemüsesorten aufgemalt.
Fünf Frauen und 18 Männer – zehn davon höchstens 25 Jahre alt – treffen sich seit dem Start in der vorigen Woche von montags bis freitags, 9 bis 13.15 Uhr im Willers’schen Haus in Kirchhatten. Mit Fahrrädern kommen die in Kirchhatten und Dingstede untergebrachten Asylsuchenden zum Unterricht.
„Deutsch und Erstorientierung“ lautet der Kurs, den die VHS Hatten+Wardenburg hier dank der Förderung durch den Landkreis Oldenburg anbietet. 100 Unterrichtsstunden bleibt vier Irakern, zwölf Iranern und sieben Albanern Zeit, grundlegende und praktische Dinge zu lernen.
Dozentin Astrid Buß ist mit der Gruppe im nahen Edeka-Markt gewesen. „Wie kauft man ein, was kosten Obst und Gemüse? Das haben wir uns gemeinsam angeschaut“, erzählt sie. Drei Monate sind die längste Zeit, die ihre Kursteilnehmer bislang in Deutschland leben. Der Bildungsstand könnte kaum unterschiedlicher sein. Manche Asylsuchende sind Analphabeten, manche bringen Englisch als Fremdsprache mit, sie springen als Dolmetscher ein, wenn auch Zeichensprache nicht weiterkommt.
100 Unterrichtsstunden, das klingt erst einmal nach nicht sehr viel, gerade im Vergleich zu den 320 Unterrichtsstunden, die die von der Bundesagentur für Arbeit finanzierten Kurse bieten. „Wir planen allerdings einen Aufbaukurs über 200 Stunden, der von der Agentur für Erwachsenenbildung gefördert wird“, verrät die Leiterin der VHS-Außenstellen Anne Bohlen.
Im Oktober 2014 startete der allererste Sprachkurs im Sandkruger Bahnhof. Seitdem ist das Angebot – wie auch die Flüchtlingszahlen – stark gewachsen. 2015 folgten fünf weitere Kurse, bis Ende Februar dieses Jahres laufen noch einmal parallel fünf (einer in Kirchhatten, zwei in Sandkrug und zwei in Wardenburg). Im Sandkruger Bahnhof wird sogar dank der ehrenamtlichen Kraft Fatime Latifi eine Kinderbetreuung angeboten. „Sonst bekommen wir viele Frauen nicht in die Kurse“, weiß Anne Bohlen.
In Kirchhatten ist daran aus Platzgründen erst nach dem Sommer zu denken. Die VHS wird Mitte des Jahres auch den vorderen Teil des seit Jahren leerstehenden ehemaligen Schleckermarktes nutzen können. Drei Seminarräume sollen hier entstehen, verrät Bohlen, außerdem eine Lehrküche. Schulpflichterfüller, um die sich zurzeit die VHS in Sandkrug kümmert, werden dann mit zum Standort Kirchhatten in die unmittelbare Nähe der Jugendwerkstatt Lupo wechseln, die seit 2010 im oberen Teil des Gebäudes an der Ortsdurchfahrt untergebracht ist. Das gibt auch in Sandkrug mehr Luft.
Dozentin Astrid Buß ist mit ihrem Kurs zufrieden. Die studierte Germanistin hat schnell festgestellt, dass nicht alle, aber ein paar der Teilnehmer sehr motiviert sind. „Sie bereiten sich zuhause vor und üben täglich mit dem Wörterbuch.“
