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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Mit Pilzen zur zweiten grünen Revolution

19.02.2016

Cloppenburg Wer Arthur Schüßler und Bernhard Aumann besuchen will, braucht schon ein gewisses Maß an Spürsinn. Man findet sie schließlich in einer Halle auf dem ehemaligen Militärflugplatz und Fliegerhorst Varrelbusch nördlich von Cloppenburg. Hier standen bis 2002 noch Patriot-Flugabwehrraketen der Bundeswehr mit Nuklearsprengköpfen, die zur Bekämpfung von Flugkörpern in luftiger Höhe eingesetzt werden konnten. Schüßlers und Aumanns Blick geht allerdings eher nach unten: in den Boden. Sie züchten Pilze.

Jedoch hat ihr Spürsinn keine Champignons oder Austernpilze zum Ziel, sondern Mykorrhiza-Pilze. Und die kann man auch nicht essen. Aber gesund sind sie schon, jedenfalls für unsere Böden und Pflanzen. Und nicht zuletzt deswegen haben die beiden Forscher mit ihrer Firma Wilhelms GmbH schon diverse Auszeichnungen erhalten.

Äcker stark geschädigt

Um was geht es? Durch die immer intensivere Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Böden in den vergangenen Jahrzehnten sind viele Äcker stark geschädigt. Dem versuchen die Landwirte mit Mineraldüngung und organischer Düngung (Gülle) entgegenzuwirken. „Die Mineraldüngung war die erste grüne Revolution“, meint Bernhard Aumann. Doch vom Dünger kann inzwischen nur noch weniger als 20 Prozent von den Pflanzen aufgenommen werden, kalkuliert sogar die Düngemittelindustrie. Der Rest versickert im Grundwasser und belastet es.

Warum die geringe Aufnahmefähigkeit? Durch das ständige und immer tiefere Pflügen der Äcker und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Pestizide) werden die wichtigen Pilzwurzelgeflechte, die sogenannten Mykorrhiza, die bereits seit 450 Millionen Jahren in jedem natürlichen Boden vorkommen, zerstört. Die Pilzwelt in den Böden verarmt. Die Mykorrhiza-Symbiose kann nicht mehr stattfinden.

Diese Symbiose beschreibt der 46-jährige Pflanzenbiologe Schüßler so: „Die Mykorrhiza-Pilze siedeln sich an Wurzeln oder Samen von Pflanzen an. Sie bilden im Boden ein sehr feines Netzwerk. Dadurch vergrößern sie die Oberfläche und Ausbreitung der Wurzeln um ein Tausendfaches. Dadurch können die Pflanzen über den Pilz deutlich besser Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff und Wasser aufnehmen.“ Die Wissenschaft schätzt, dass Pflanzen in natürlichen Ökosystemen bis zu 90 Prozent ihres Phosphors und 80 Prozent ihres Stickstoffs über ein pflanzliches Netzwerk erhalten.

Oder eben nicht, wenn dieses zerstört ist. „Über das Mykorrhiza-Pilzwerkgeflecht gelangt die Pflanze an Wasser und Nährstoffe, an die sie mit ihren eigenen Wurzeln nicht herankäme“, fasst Schüßler zusammen.

Zu dieser Mykorrhiza-Symbiose hat der gebürtige Darmstädter und habilitierte Pflanzenbiologe Schüßler zuletzt an der Ludwig-Maximilian-Universität in München geforscht und 2013 auch schon eine kleine Firma gegründet. Auf einem ähnlichen Weg war der Gartenbaumeister Bernhard Aumann aus Cloppenburg, allerdings um höhere Maiserträge zur Fütterung der Biogasanlagen zu erzielen. „Doch ich fand, dass Mykorrhiza-Pilze ein viel zu cooles Projekt sind, um es nur beim Mais zu verschwenden“, so Aumann, der 2013 auch schon eine Firma gegründet hatte.

Gemeinsame Sache

Beim Literaturstudium zum Thema war er auf den Namen Schüßler gestoßen. Dann ging alles ganz schnell. Die Beiden telefonierten und beschlossen, sich zusammenzutun.

Doch die Züchtung der Pilzgeflechte ist aufwendig und teuer. Derzeit sind in der Start-up-Firma knapp zehn Mitarbeiter damit beschäftigt, die Pilze in Flaschen in Reifekammern zu ziehen. Bis zur Endstufe dauert das etwa ein halbes Jahr. Am Ende wird daraus schließlich ein Pulver, mit dem die Landwirte ihr Saatgut beizen können.

„WillBest“ haben die beiden Existenzgründer aus dem Oldenburger Münsterland ihr Pulver genannt und wollen es als Marke etablieren. Nur wenige Gramm des Pulvers reichen aus, um einen Hektar Land zu behandeln. Keimt dann der Mais oder das Soja, wird die Pflanze unterirdisch mit den Pilzen und Bodenbakterien versorgt.

„Ziel der Firma Wilhelms ist die weltweite Vermarktung der Mykorrhiza-Pilze“, beschreibt es Aumann selbstbewusst und spricht von einer „zweiten grünen Revolution – und das sind wir!“

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