Berlin/Oldenburg - Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) dringt auf ein schärferes Vorgehen gegen Produktpiraterie und Fälscherbanden. Diese hätten gerade in der Ferienzeit Hochkonjunktur, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Die Verletzung geistiger Eigentumsrechte schädige allein die deutsche Wirtschaft um über 50 Milliarden Euro jährlich.

Gefälschte Produkte stammten meist aus Asien und der Türkei. Die Palette gefälschter Artikel reiche von der Motorsäge für den Heimwerker bis zu Potenzpillen.

Strafbar ist nach Angaben des Aktionskreises gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM) der Handel und die Herstellung von Produkten, die durch gewerbliche Schutzrechte geschützt sind. Für gewerbsmäßige Markenrechtsfälschung soll bald eine Mindestfreiheitsstrafe von drei Monaten gelten.

APM-Geschäftsführer Lennart Röer hält mehr Kontrollen bei den Zollbehörden für notwendig. Außerdem müssten anders als bisher auch Transitlieferungen auf europäischen Häfen und Flughäfen überprüft werden.

Fast ein Drittel (30 Prozent) der Deutschen hat nach einer Studie von Ernst & Young schon einmal bewusst ein Plagiat gekauft. Wansleben nannte das fehlende Unrechtsbewusstsein der Abnehmer sehr bedenklich. Weil der Onlinevertrieb eine wichtige Rolle spiele und zunehme, brauchten die Unternehmen dringend besseren Schutz für Patente, Marken und Geschmacksmuster.


In den Urlaubsregionen würden auch verstärkt Markenfälschungen angeboten, die ein Gesundheitsrisiko bedeuteten, so Wansleben. Dies gelte etwa für Sonnenbrillen.

Bei der Zollkontrolle nach der Rückkehr aus dem Urlaub haben Verbraucher meist nicht viel zu befürchten, es sei denn, sie bringen so große Mengen mit, dass von Handel ausgegangen werden muss. Der Zoll informiert dann den Markeninhaber und dieser kann Strafanzeige stellen.

Das Hauptzollamt Oldenburg teilte auf Anfrage mit, 2012 seien etwa 60 bis 70 Plagiate aufgetaucht. Darunter seien Ledertaschen, Uhren, Brillen, Handy-Zubehör oder auch Parfüm.