Blexen - „Ich bin schon grün gewesen, lange bevor ich in die grüne Partei eingetreten bin“, sagt Heide Hildebrand. Vor 40 Jahren hat die Blexerin erstmals gegen die Nutzung der Kernenergie demonstriert – wegen der fehlenden Endlagerung atomarer Abfälle. Im September und November vergangenen Jahre gehörte sie zu den Nordenhamern, die gegen die beiden Transporte plutoniumhaltiger Mischoxid(Mox)-Brennelemente durch Nordenham (Mox-Transporte) protestiert haben.
Erste Kandidatur
Die 76-jährige Blexerin ist vor mehr als zehn Jahren Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen geworden. Bei der Kommunalwahl im September 2011 hat sie erstmals für den Stadtrat kandidiert. Jetzt ist sie für Edwin Krüger nachgerückt, der den Vorsitz der vierköpfigen Grünen-Stadtratsfraktion und sein Mandat niedergelegt hatte. Begründung: Seiner Ansicht nach überzogene Kritik von Parteifreunden am Polizeieinsatz bei den Mox-Transporten.
Heide Hildebrand hat mit Rücksicht auf ihr 1994 gestartetes Engagement beim Frauennotruf Wesermarsch darauf verzichtet, schon bei früheren Wahlen für die Grünen zu kandidieren. Acht Jahre – von 2002 bis 2010 – war sie 1. Vorsitzende des Notruf-Vereins. „Ich wollte nicht, dass der Eindruck entsteht, der Frauennotruf sei grün.“
Seit 1994 war sie aktiv, „damit Frauen in Not einen Ansprechpartner haben.“ Umso mehr bedauert sie heute, dass der Notruf zum Ende vergangenen Jahres aufgeben musste, weil sich nicht mehr genug Frauen fanden, die den Telefondienst übernehmen.
21 Jahre im Präsidium
Mit ihren Ehemann, der 1990 verstorben ist, war Heide Hildebrand vor 45 Jahren zu den Nordenhamer Sportschützen gekommen. In den Anfangsjahren hat sie aktiven Schießsport betrieben – sogar in der Landesliga. 21 Jahre hat sie ehrenamtliche Arbeit im Präsidium des 26 000 Mitglieder zählenden Oldenburger Schützenbundes geleistet und viel Kraft und Energie investiert. „Das war ein unbezahlter Halbtagsjob“.
In einem damals „ausgesprochenen Männerkartell“ hat sie sich für Frauen engagiert. „Anfangs hatte ich eine reine Alibifunktion, aber nach zwei bis drei Jahren haben die Männer mir zugehört.“ Als sie anfing, gab es nur mehr als ein Dutzend Frauenmannschaften, als sie im Jahre 1987 aufhörte, waren es 450.
Wegen einer schweren Lungenentzündung trat Heide Hildebrand damals zurück. Obwohl sie in ihrem Leben einiges hat einstecken müssen, sagt sie heute: „Ich spüre nach wie vor eine starke innere Kraft und einen unzerstörbaren Optimismus. Deshalb habe ich auch keine Probleme mit meinem Alter.“
Laut Geburtsurkunde heißt sie Irmgard. „Ich bin aber immer nur Heide genannt worden.“ 20 Jahre war die verwitwete Mutter zweier Söhne und Großmutter eines Enkelsohnes als Sekretärin in der Abteilung für Arbeitswirtschaft bei NSW tätig.
„Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, ob ich mich freuen soll“, sagt Heide Hildebrand über ihr unerwartetes Nachrücken in den Stadtrat, nachdem Edwin Krüger hingeworfen und erste Nachrückerin Andrea Suhr verzichtet hatte. Sie fügt im Gespräch mit der NWZ hinzu: „Ich weiß, dass das eine schwierige Aufgabe ist. Demokratie ist oft mühsam.“
Für Heide Hildebrand ist vor allem Transparenz in der Politik ganz wichtig. „Man sollte die Bürger mehr mitnehmen.“ Im Stadtrat will sie sich auch dafür einsetzen, dass möglichst alle neun Grundschulen in Nordenham erhalten bleiben.
Als Blexerin möchte sie die Stadt in die Pflicht nehmen, nicht nur richtig Geld für die Erschließung neuer Industrieflächen im Blexer Groden in die Hand zu nehmen, sondern auch für die Dorferneuerung in Blexen. „Ich finde es schon ziemlich krass, dass Blexen seit 20 bis 30 Jahren vernachlässigt wird.“
