Neu Holzkamp - Die Knospe der Erdbeerblüte zwischen Markus Wempes Fingern ist noch nicht mal aufgegangen, aber der Landwirt erkennt schon jetzt: „Die wird auch schwarz!“ Heißt: Daraus erwächst keine genießbare Frucht mehr. Und von solchen Blüten hat der Erdbeer-Bauer aus Neu-Holzkamp zurzeit viele – zu viele.
Zu kalt
20 bis 30 Prozent Verlust bei den Freiland-Erdbeeren haben die frostigen Nächte der vergangenen Wochen dem Erdbeerhof in Neu Holzkamp beschert, schätzt Wempes Frau Liane. In anderen Gegenden ist es noch viel schlimmer, besonders in Süddeutschland sind die Erdbeer-Kulturen reihenweise verfroren. Auch auf Wempes Hof in Langförden (Kreis Vechta) sieht es noch ein bisschen schlechter aus als in Neu-Holzkamp.
„Schuld“ daran ist vor allem der ungewöhnlich warme März: „Dadurch standen die Erdbeeren sehr früh in der Blüte“, erklärt Liane Wempe – und dann kamen im April bis in den Mai hinein noch einmal die Nachtfröste.
Felder abgedeckt
Die Eheleute Wempe und ihre Mitarbeiter haben das Schlimmste noch verhindern können – mit großem Arbeitsaufwand und spürbaren Zusatzkosten: Ihre Freiland-Erdbeeren, insgesamt rund zwölf Hektar, haben sie fast komplett mit Vlies abgedeckt, teilweise sogar doppelschichtig. Und selbst in den acht Meter breiten Folientunneln, unter denen auf einem weiteren Hektar Fläche die Erdbeerpflanzen fast Treibhaus-Bedingungen genießen, wurden die Reihen in den kältesten Nächten zusätzlich mit dem Vlies aus leichtem Stoff abgedeckt. Das hat geholfen: „Mit den Tunnel-Erdbeeren hatten wir wenig Probleme“, sagt Liane Wempe erleichtert.
So kann der Erdbeer-Hof in Neu-Holzkamp zurzeit immerhin die Nachfrage befriedigen. Bis die Freiland-Früchte reif sind, müssen sich die Kunden indes länger als sonst gedulden: „Am 10. oder 11. Juni können wir wohl mit dem Verkauf starten“, schätzt Markus Wempe, „gut eine Woche später als in den vergangenen Jahren.“
Spätere Ernte und geringere Mengen – das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Preise: 3,50 Euro kostet eine 500-Gramm-Schale mit Erdbeeren zurzeit auf dem Wempe-Hof – etwas mehr als im Vorjahr.
Vlies bleibt liegen
Und so richtig zuversichtlich für den weiteren Verlauf der Saison ist Markus Wempe auch nicht: „Jetzt soll es ja erstmal wärmer werden, aber in zwei Wochen wird schon wieder mit Kälte gerechnet“, hat er erfahren. „Und nach dem Hundertjährigen Kalender gibt es sogar im Juni noch wieder Frost.“
Die langen und breiten Vlies-Bahnen lässt Wempe deshalb vorerst auf den Feldern liegen. Zum einen will er sich damit mögliche zusätzliche Arbeit ersparen. Und außerdem würde er auch keinen Nachschub mehr bekommen: Vlies für Erdbeerfelder ist zurzeit weit und breit ausverkauft.
