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St. Marienkrankenhaus Mitarbeiter müssen auf Geld verzichten

Friesoythe - Die vier Katholischen Kliniken Oldenburger Münsterland (KKOM) befinden sich wie berichtet in finanzieller Schräglage (die NWZ  berichtete). Von einem Defizit von über sechs Millionen Euro ist die Rede. Das Friesoyther St. Marienhospital gehört nicht zu diesem Verbund. „Wir sind Einzelkämpfer. Das ist im Moment kein Nachteil,“ sagte Geschäftsführer Bernd Wessels am Donnerstag im Gespräch mit der NWZ . Doch auch die Friesoyther Einrichtung fährt in diesem Jahr ein Minus ein. Wie hoch, konnte Wessels noch nicht beziffern. Zwar treibe ihm die momentane Lage keinen Schweiß auf die Stirn, aber eines ist klar: Es muss kräftig gespart werden.

So müssen die 330 Mitarbeiter des Friesoyther St. Marienhospitals und des Medizinischen Versorgungszentrums Gehaltseinbußen in Kauf nehmen. Ihnen wird das Weihnachtsgeld für dieses Jahr um ein Viertel gestrichen, zudem werden Tariferhöhungen für rund ein Jahr ausgesetzt. „Damit erreichen wir eine Ersparnis von rund 550 000 Euro“, sagte Wessels. Ob das zum Ausgleich des Defizits ausreiche, wisse er derzeit noch nicht.

Früh informiert

Bereits im Juni habe man erkannt, dass „das Jahr ein schlechtes Ende nimmt“, so Wessels. Es musste gehandelt werden. Mitte Juli seien dann die Mitarbeiter informiert worden, dass man einen Antrag bezüglich Weihnachtsgeld und Aussetzung der Tariferhöhung an die Regionalkommission Nord der arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbandes stellen werde. Dieser ist bereits bewilligt, teilte Wessels am Donnerstag mit. Er schloss zudem nicht aus, dass im kommenden Jahr erneut ein entsprechender Antrag gestellt werden müsse.

Der Geschäftsführer machte deutlich, dass die schwierige Finanzlage des Hospitals aber kein hausgemachtes Problem sei, sondern ein bundes- und landespolitisches. „Die Politik lässt uns nicht auskömmlich arbeiten“, sagte Wessels. Unter den aktuellen politischen Voraussetzungen ließe sich kein verlässlicher Finanzplan schreiben.

Während das Land für Investitionen zuständig ist, muss der Bund den laufenden Betrieb von Krankenhäusern finanzieren. Das Problem sei laut Wessels folgendes: Der Bund sieht die Länder in der Pflicht, in Krankenhäuser zu investieren. Nur so würde sich die Finanzierung des Betriebes lohnen. Das Land wiederum sehe es eher so, dass erst investiert werde, wenn auch der Betrieb eines Krankenhauses gewährleistet sei. Wessels: „Der schwarze Peter wird hin und her gereicht und wir stehen mittendrin.“


Ein finanzielles Kernproblem sei die zu niedrige Vergütung von Krakenhausleistungen, die es nicht ermöglichen würde, kostendeckend zu arbeiten. Wessels rechnet allein für das Jahr 2013 mit einer Unterdeckung der Kosten in Höhe von zwei Prozent. Bei Kosten in Höhe von beispielsweise 20 Millionen Euro im Jahr wäre das ein Defizit von 400 000 Euro. Da Krankenhäuser kein großes Sparpotenzial haben, so Wessels, „wird ein Krankenhaus nach dem anderen kippen, wenn politisch nichts passiert“.

Holding möglich

Das Friesoyther Krankenhaus sieht Hospitalgeschäftsführer Bernd Wessels nach wie vor gut aufgestellt. Nicht zuletzt durch die Mitarbeiter, die auf höchstem Niveau arbeiten würden. Eine Fusion mit anderen Häusern lehnt er daher ab. Vorstellbar sei aber, dass das Friesoyther Krankenhaus als selbstständige Einrichtung mittelfristig unter das Dach einer Holding gestellt werden könne. Wessels stellt aber gleichzeitig klar, dass bislang weder über solche Ideen gesprochen worden seien, noch das bereits eine Entscheidung gefallen sei.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)
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