Ob ich in Ganderkesee, Hude oder Delmenhorst unterwegs bin, immer begegnen mir die Autos vom Taxiunternehmen Borkus. Das machte mich neugierig.

Als ich in das Büro von Jörg Borkus (Sohn des Gründers Werner Borkus) komme, ist der 45-Jährige mir auf Anhieb sympathisch, obwohl wir noch kein Wort gesprochen haben. In seinem Büro im Industriepark in Ganderkesee stehen jede Menge Fanartikel vom SV Werder Bremen. Seit seiner Jugend ist Jörg ein leidenschaftlicher Fan. Zusammen mit seinem inzwischen verstorbenen Vater, den er immer noch liebevoll „Daddy“ nennt, ist er regelmäßig ins Bremer Weser-Stadion gegangen.

Inzwischen wird Jörg von Ehefrau Corina begleitet. Die beiden haben eine Dauerkarte und besuchen jedes Heimspiel. Als Werder noch in europäischen Wettbewerben spielte, gehörte er zu den Fans, die zusammen mit der Mannschaft im Flieger sitzen durften. Aber nicht nur Werder, sondern auch Spiele des SV Atlas Delmenhorst besuchte Jörg mit seinem Vater. Freunde, die den SV Atlas im Jahr 2012 neu gründeten, überzeugten ihn, den Verein als Sponsor zu unterstützen. Jörg erinnerte sich an die schöne Zeit, die er mit seinem „Daddy“ dort verbrachte hatte, und willigte ein. Vor einem Jahr wurde er zum stellvertretenden Schatzmeister gewählt, und seit einigen Wochen ist er sogar Vorsitzender.

Vater Werner war viel als Taxifahrer unterwegs, um sich so sein Studium zum Betriebswirt zu finanzieren. Das gefiel ihm so gut, dass er 1976 das Taxiunternehmen Borkus in Hude gründete und 1978 auf Ganderkesee ausweitete. Gleichzeitig verlegte die Familie auch ihren Wohnsitz nach Ganderkesee. Jörg teilte mit seinem Vater nicht nur die Leidenschaft für Fußball, sondern auch für Autos. In der Ära Michael Schumacher besuchte Jörg viele Rennen der Formel 1, und das weltweit.

Den Betrieb seiner Eltern wollte er auf keinen Fall übernehmen. So begann er nach dem Realschulabschluss 1986 bei einem großen Konzern eine Ausbildung zum Speditionskaufmann. „Logistik ist mein Leben“, erzählt Jörg Borkus mir. Nach dem Ende seiner Ausbildung wurde er übernommen, und obwohl noch jung an Jahren, bekam er eine verantwortungsvolle Position und reiste fortan durch ganz Deutschland.


In der Firmenzentrale bei Heidelberg lernte er seine heutige Ehefrau kennen. Schon sechs Wochen später bezogen beide eine gemeinsame Wohnung in Delmenhorst. Das Jahr 1995 war für ihn ganz besonders. Nicht nur, dass er in diesem Jahr seine Corina heiratete, sondern er gründete auch seine eigene Logistik-Firma. Mit viel Power machte Jörg Borkus diese zu einem gut gehenden Unternehmen. 2001 wurde sein Vater schwer krank und Jörg kümmerte sich aufopferungsvoll bis zu dessen Tod im November um ihn.

Durch äußere Einflüsse geriet die Firma in Turbulenzen, 2002 gab Jörg sie auf. „Ein Jahr habe ich mir dann eine Auszeit genommen, weil ich einfach keine Kraft mehr hatte“, erzählt mir Jörg. Das Taxiunternehmen seiner Eltern hatte inzwischen ein ehemaliger Mitarbeiter übernommen, der damit aber kein Glück hatte. 2003 fingen Corina und Jörg Borkus mit einem Taxi wieder ganz von vorne an. Am Steuer saß Jörg persönlich. Eine sehr schwierige Zeit, denn zu seinen Fahrgästen zählten ehemalige Geschäftspartner oder auch einige seiner ehemaligen Mitarbeiter.

Doch es sollte sich lohnen. Inzwischen ist „Taxe Borkus“ ein gut gehendes Unternehmen mit 30 Fahrzeugen und 70 Mitarbeitern, davon 28 in Vollzeit. Seine Familie geht Jörg über alles. Er wohnt mit der Ehefrau und den beiden Töchtern Julia (18) und Jana (16) in der Gemeinde Dötlingen, kann sich aber vorstellen, seinen Wohnsitz bald wieder nach Ganderkesee zu verlegen.

Vor einiger Zeit hat er für sich das Fahrradfahren entdeckt. „Ich hatte aufgehört zu rauchen und an Gewicht zugenommen, da musste ich etwas tun.“ Mit Fahrradfahren im Sportstudio fing es an. Heute fährt er mit seinem Rennrad mal eben 80 Kilometer oder mehr am Tag. „Das befreit und tut unwahrscheinlich gut!“

Jörg Borkus, Taxiunternehmer aus Ganderkesee