Strückhausen/Oldenburg/Bremen - Kein Mitarbeiter wird seinen Arbeitsplatz verlieren – das versprach der Molkerei-Riese DMK (Deutsches Milchkontor), als er im Februar die Pläne für den Umbau des traditionsreichen Standorts Strückhausen (Landkreis Wesermarsch) vorstellte. Für einen Kollegen aber gilt die Zusage nicht: Der Vorsitzende des Betriebsrats erhielt nach 26 Jahren im Werk seine Kündigung. Der 50-jährige Molkereimeister gilt als erfahrene Fachkraft in der Produktion – und im Nebenamt als „unbequemer“ Betriebsrat.

„Starker Tobak“ ist das nach Meinung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Da soll ein Einzelner abgestraft und der Rest des Betriebsrats diszipliniert werden“, sagt NGG-Geschäftsführer Matthias Brümmer in Oldenburg: „So darf man mit Betriebsräten in Deutschland nicht umgehen!“ Das Kündigungsschutzgesetz stellt Betriebsratsmitglieder unter besonderen Schutz.

Das Werk in Strückhausen war jahrelang von Schließung bedroht. Im Februar gab es dann „gute Nachrichten“ für die Mitarbeiter, wie es in der Presse hieß: Am Standort werde künftig die gefragte Babynahrung produziert, und zwar nicht mehr von der DMK GmbH, sondern von der Tochtergesellschaft DMK Baby Strückhausen GmbH. Weil dafür eine neue Produktion aufgebaut werden muss, sind Teile des Werks mittlerweile geschlossen und werden frühestens im Herbst 2017 den Betrieb wieder aufnehmen.

Was das für die gut 100 Mitarbeiter in Strückhausen bedeutet, ist per Interessensausgleich geregelt. Danach bleibt ein Teil der Mitarbeiter vor Ort, um in Verwaltung, Technik oder als Bauhelfer zu arbeiten. Der andere Teil, größtenteils aus der Produktion, wechselt für die Umbauzeit an andere Standorte.

Auch der Betriebsrats-Vorsitzende hatte sich bereiterklärt, vorübergehend nach Zeven zu wechseln („Ein Einsatz am Standort Strückhausen ist nicht möglich“, hatte man ihm mitgeteilt.) Weil er aber gleichzeitig seine Betriebsratsarbeit für die in Strückhausen verbleibenden Kollegen fortsetzen will, fand sich offenbar kein passender Arbeitsplatz für ihn. Nach NWZ -Informationen fragte ihn die Werksleitung in Zeven, ob er sich vorstellen könne, sein Mandat als Betriebsrat niederzulegen – was er ablehnte. Am Ende einer längeren Auseinandersetzung steht jetzt das Kündigungsschreiben, das nicht einmal Gründe nennt.


NGG-Chef Brümmer hält die Entlassung für „beispiellos“ und für rechtswidrig. „Ich erwarte eine Rücknahme und eine Entschuldigung“, sagt er.

Der Betriebsrats-Vorsitzende selbst verweist auf das laufende Verfahren und will sich nicht öffentlich äußern. Und DMK bittet um Verständnis, „dass wir uns zu Personalangelegenheiten grundsätzlich nicht äußern“.