Ipwege/Ipwegermoor - Die schmale, kopfsteingepflasterte Straße schlängelt sich unter mächtigen Alleebäumen hindurch. Hier, am Ortsausgang Wahnbeks, geht es über die Wellenstraße hinab ins Ipweger Moor.
Wirkt es unter den gewaltigen Baumriesen beinahe etwas beklemmend und düster, bietet sich nach einer kurzen Fahrt durch den Wald ein eindrucksvoller Blick auf eine einmalige Landschaft. Und diesen Blick schätzen auch Ausflügler, die diesen Weg gerne wählen, um entlang des Moores zu radeln.
Bis zum Horizont reichen die Moorflächen, die sich vor den Augen der Radfahrer ausbreiten. Nur hier und da werden sie durchbrochen von Baumreihen. Und wer ganzgenau hinschaut, kann hier im Dorf Ipwege sogar eine „Alte Kapelle“ entdecken.
Dabei handelt es sich allerdings keineswegs um ein Gotteshaus, sondern um den Rest eines Großsteingrabes, von dem heute nur noch sieben Steine erhalten sind. Es liegt am Geestrand nahe am Moor und ist heute das einzige Großsteingrab im Ammerland und das nördlichste im Oldenburger Land.
Zuerst „Ipwede“
Die zur Bauerschaft Wahnbek gehörige Ortschaft Ipwege hatte 1815 21 Feuerstätten und 147 Einwohner. Seit dem Ortschaftsverzeichnis von 1875 wurde Ipwege als selbstständige Bauerschaft mit 317 Einwohnern geführt. Diese hatte 1925 253, 1950 463 und 1961 348 Einwohner
Ipwege wird erstmals 1428 als „Ipwede“ (bis um 1700 meistens so) genannt (Ip- wird von einem Namen – Ippo? – hergeleitet, wede von Wehde = Wald). Für die Eschsiedlung werden ab 1581 drei Hausmannshöfe erwähnt, einer davon schon 1504. Alle drei bestehen heute noch. Der Janßenhof wurde „Junkerhof“ genannt, da er als einziger nicht in gräflichen Besitz gelangt war, sondern den Junkern auf Gut Höven bei Wardenburg, von Rahden, später von Dorgeloh, gehörte.
Die drei Ipweger Höfe betrieben alle ab dem 19. Jahrhundert eine Branntweinbrennerei, auf dem „Junkerhof“ (Köster-Hadeler) wurde noch bis Ende des 20. Jahrhunderts gebrannt (gesamte Hofanlage unter Denkmalschutz). Der Einzelhof Gut Buttel (von altsächsisch bodl = Haus, Gebäude hergeleitet), heute zur Bauerschaft Ipwege zählend, hatte Esch und Austrift für sich allein.
Um 1300 gehörte Buttel zum Kloster Rastede; später waren die Knappen Bardewisch die Herren von Buttel, bis sie es 1483 an den Knappen Friedrich von Reken auf Gut Loy verkauften. 1519 wurde der Hof „thom Buttel“ an den Oldenburger Grafen Johann abgetreten. Die den leibeigenen Hof bewirtschaftenden Bauern wurden „zum Buttel“ genannt.
Die Familie zum Buttel – ab 1794 durch Einheirat Hilbers – blieb bis 1904 auf dem Hof, danach kam es zum Verkauf und zu mehrmaligem Besitzerwechsel. Aus einer Nebenlinie der zum Buttels stammt Christian Diedrich von Buttel (1801-1878), 1848 Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, von 1849 bis 1851 mit dem Titel Ministerialrat Vorstand des Ministeriums in Oldenburg, von 1865 bis 1878 Oberappellationsgerichtspräsident.
Von Buttel war führend im Oldenburger Kulturleben und korrespondierte mit Goethe. Von Buttels Sohn Alexander Christian von Buttel (1836-1923), Geheimer Oberregierungsrat in Oldenburg, war 1896-1908 Regierungspräsident des Fürstentums Lübeck.
Auf dem Hof Buttel wird noch Landwirtschaft betrieben; Wohnhaus und Scheune des Guts stehen unter Denkmalschutz. 2003 gab es in Ipwege fünf landwirtschaftliche Vollerwerbsstellen. Erst nach 1700 entstanden in der Gemeinheit Köterstellen.
Die Besiedlung des Ipweger Moor begann erst 1861. Im noch naturnahen Kern wird es von zahlreichen Kolken durchsetzt, die durch ein Grabensystem zur Vorentwässerung angezapft sind.
Die vollständige Trockenlegung scheiterte indessen an der insgesamt schwierigen Entwässerung des Geländes (Geestrandmoor). Das Vorkommen der Moltebeere, eines Eiszeitrelikts, und anderer Vertreter der Moosflora (Sonnentau, Rosmarinheide) führte 1937 zur Ausweisung eines 8,7 Hektar großen Naturschutzgebietes in einer insgesamt 18 Hektar großen Ödlandfläche. Trotz Verfüllung der Gräben an den Grenzen des Naturschutzgebietes fließt Wasser in die bis zu zwei Meter tiefen Randgräben ab. Die nachfolgende Ausbreitung von Moorbirken und Kiefern hat die Moorvegetation nahezu verdrängt. Reste mit Moosbeere, Scheidigem Wollgras und Sonnentau sind in den verlandenden Kolken bewahrt. Da durch landwirtschaftliche Nutzung die Mineralisation der benachbarten Flächen insgesamt schneller voranschreitet, liegt das Naturschutzgebiet trotz Entwässerung 0,6-0,8 Meter höher als das umgebende Gelände. Das lpweger Moor ist wichtiger Fundort frühgeschichtlicher Moorwege und anderer Relikte sowie eines Zeugnisses der frühneuzeitlichen Landeskultur (Hodamm).
Ipwegermoor, Ortsteil (Bauerschaft) der Landgemeinde Oldenburg, seit 1897 der Gemeinde Ohmstede, seit 1933 der Gemeinde Rastede (Landkreis Ammerland), 112 Einwohner (31.12.2006), 183 (1970).
Teil der Bauerschaft
Die zur Bauerschaft Wahnbek gehörige Ortschaft Ipwegermoor taucht erstmals im Ortschaftsverzeichnis von 1863 mit 13 Wohnhäusern und 64 Einwohnern auf. Seit 1875 wurde sie als Teil der Bauerschaft Ipwege geführt. 1905 noch zu Ipwege gehörig, wurde Ipwegermoor im Ortschaftsverzeichnis von 1910 als eigene Bauerschaft (Kolonie) mit 141 Einwohnern aufgeführt. Diese hatte 1925 168, 1950 201 und 1961 167 Einwohner.
Das erste Haus im Ipweger Moor entstand 1828, aber erst um 1850 begann man mit der Planung einer Moorkolonie. Von 1858 bis 1874 wurden 23 Kolonisten eingewiesen, einige folgten noch nach 1900. Die einzelnen Kolonate, aufgereiht an der jetzigen Birkenstraße, die etwa parallel zum Geestrand verläuft, waren fünf bis sechs Hektar groß; die Placken mussten binnen Jahresfrist mit Gräben befriedigt werden und der Hausbau bis Ende des folgenden Jahres beendet sein.
2003 gab es in Ipwegermoor noch sechs landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe. Die 1911 von Wahnbek abgezweigte einklassige Schule hatte bis 1966 Bestand.
Wir wollen Ihnen in unserer Serie „Das unbekannte Oldenburger Land“ bis zum 1. September in 23 Folgen Orte vorstellen, die vielen unbekannt sind, aber durchaus einen Besuch wert sind. Heute dreht sich alles um Elisabethfehn.
Der historische Teil unserer Texte ist den Bänden des von der Oldenburgischen Landschaft in Auftrag gegebenen Oldenburgischen Ortslexikons (Hrsg. Prof. Dr. Albrecht Eckhardt) entnommen.
Elisabethfehn erreicht man von Süden her über die Bundesstraße 401 bis zur Einmündung der Oldenburger Straße (Kreisstraße 145). Auf der Oldenburger Straße geht es weiter in Richtung Elisabethfehn, das man nach wenigen Kilometern erreicht.
Von Norden her über die Autobahn 28 bis zur Abfahrt Filsum, dann auf der Bundesstraße 72 weiter in Richtung Cloppenburg bis zur Abfahrt Strücklingen, weiter in Richtung Barßel bis Elisabethfehn.
Wir wollen Ihnen in unserer Serie „Das unbekannte Oldenburger Land“ bis zum 1. September in 23 Folgen Orte vorstellen, die vielen unbekannt sind, aber durchaus einen Besuch wert sind. Heute dreht sich alles um Ipwege/Ipwegermoor.
Der historische Teil unserer Texte ist den Bänden des von der Oldenburgischen Landschaft in Auftrag gegebenen Oldenburgischen Ortslexikons (Herausgeber Prof. Dr. Albrecht Eckhardt) entnommen.
Ipwege/Ipwegermoor erreicht man über die K144. Aus Richtung Oldenburg kommend fährt man auf der A 293 Richtung Wilhelmshaven. Diese geht am Kreuz Oldenburg Nord in die Braker Chaussee/B211 über. Nach etwa vier Kilometern auf der B211 biegt man rechts auf die Birkenstraße (K144) ab. Nach etwa 2,5 Kilometern erreicht man Ipwegermoor. Von der A 29 kommend nimmt man die Ausfahrt Braker Chausee/B211 Richtung Nordenham. Nach 5 Kilometern biegt man rechts auf die K144 ab.
