MOORDORF - „Der Schutz von Zugvögeln, die auf ihren Wanderungen innerhalb weniger Tage mehrere Länder durchfliegen können, ist ein internationales Anliegen. Dem trägt die Vogelschutzrichtlinie Rechnung, in dem sie Schutzmaßnahmen für Brut-, Mauser- und Überwinterungsplatze von Zugvögeln einfordert. Wesentliche Bedeutung kommt dabei dem Feuchtgebietsschutz zu…“ heißt es unter anderem in der Europäischen Vogelschutzrichtlinie vom 2. April 1979.

Diese Richtlinie gefällt auch den immer stärker anwachsenden Scharen von Grau- und Blässgänsen, die in diesen Wochen von Sibirien und Finnland kommend den Moorhauser Polder und die Ohmsteder und Bornhorster Wiesen ansteuern werden. Warum den Grünlandbauern die Wintergäste weniger angenehm sind, darüber informierte kürzlich eine Delegation des Altenhuntorfer Landvolks den niedersächsischen Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) in Garlichs Gasthof. Mit zur Runde gesellte sich der liberale Landtagskandidat Horst Kortlang.

In den vergangen zwei Jahren haben nach Aussage der Landwirte bis zu 20 000 Gänse die geschützten Huntewiesen in den Wintermonaten als Rastplätze aufgesucht. Die Nutzung des Areals als Überlaufpolder kommt dabei dem Sicherheitsbedürfnis der Gänse entgegen. Weil sie aber hier nichts zu fressen finden, fallen die Tiere in Scharen auf den Gründlandflächen der Bauern ein und hinterlassen hektarweise Fraßschäden und verkotete Weiden.

Für die Forderung der Landwirte, die Vernässung der Gebiete zurückzunehmen, hatte Minister Sander durchaus Verständnis: „Den Naturschutz hoch über alles zu stellen und alle Vorschriften so zu belassen, wie sie sind – davon werden wir uns verabschieden müssen.“ Ein Umdenken sei dringend nötig und die Stollhammer Wisch sei der beste Beweis, wie Naturschutz nicht gemacht werden sollte. Weiter sprach sich Sander angesichts der klimatischer Veränderungen auch für flexiblere Lösungen der Mäh- und Düngezeiten aus. Die Bindung für mindestens fünf Jahre im Vertragsnaturschutz müsse ebenfalls auf den Prüfstand.