Moorriem/Rastede - Respekt vor Natur, Mensch und Tier – danach hat Susanne Janßen ihr Leben ausgerichtet. Sie erzählt, dass sie quasi im Kuhstall geboren und auf dem Land groß wurde, als Kind in der Natur spielte, auf dem Trecker saß und bei den Kühen war. So fängt die Geschichte der 36-Jährigen an, die jetzt mit der Eröffnung ihres eigenen Ladens einen weiteren wichtigen Schritt gemacht hat.

Mit „Susi’s Farm“ hat Susanne Janßen in Rastede die Räume vom „Hof Hopkes“ unweit des Hirschtors übernommen. Der Hof Hopkes hat seine Filialen in Rastede und auch in Edewecht aufgegeben und betreibt jetzt nur noch ein Geschäft in Oldenburg. Für „Susi’s Farm“ aus Burwinkel erwies sich diese Entwicklung als glücklicher Zufall.

Produkte aus eigener Herstellung verkauft die Landwirtin bereits über einen eigenen Online-Shop, mit dem Ladengeschäft an der Oldenburger Straße verwirklicht sie nun aber einen wesentlichen Bestandteil ihres Konzeptes. „Mein Ziel ist es, vom Saatgut bis zum Endprodukt über die lokale Vermarktung unabhängig zu werden von internationalen Warenströmen“, erläutert Susanne Janßen und fügt hinzu: „Ich möchte nicht, dass das Futter für meine Tiere aus den USA kommt.“

In Burwinkel führt Susanne Janßen in vierter Generation einen landwirtschaftlichen Betrieb, den sie von konventioneller Landwirtschaft auf Bio umgestellt hat. Sie ist nach dem EU-Bio-Standard zertifiziert, ihr Konzept ist Thema einer Masterarbeit an der Uni Hamburg gewesen, die gerade erst mit dem Forschungspreis der Bio-Lebensmittelwirtschaft ausgezeichnet wurde. „Nächsten Monat halte ich dazu einen Vortrag auf der weltweit größten Bio-Messe in Nürnberg“, erzählt die 36-Jährige. Begleitet wird sie von der Autorin der Masterarbeit.

In Rastede verkauft Susanne Janßen allerdings nicht nur Bio-Produkte. Wenn etwa das Fleisch nicht Bio ist, soll es mindestens von regionalen Landwirten kommen. Transparenz ist „Susi’s Farm“ hier besonders wichtig. „Die Kunden sollen gut aufgeklärt werden“, sagt Marcel Völger, Filialleiter in Rastede.


„Wir wollen aber immer mehr Bio anbieten“, blickt Susanne Janßen voraus. Strukturen und Bezugsquellen müssten aber erst noch wachsen. Das schließt auch ihren eigenen Hof mit ein. „Mittelfristig wollen wir wieder selbst Schweine halten“, erzählt die 36-Jährige. Auch Geflügel hält sie ab April auf ihrem Hof, den sie sich auch gut als solidarische Landwirtschaft vorstellen könnte.

Auf einem Testfeld hat sie zudem im vergangenen Jahr 80 verschiedene Gemüse- und Kräutersorten angepflanzt, um herauszufinden, was in der Wesermarsch wächst. Beim Anbau wählt sie auch Dinge, die andere nicht anbauen würden. „Viele haben mir gesagt, das geht nicht, ich habe es trotzdem gemacht“, erzählt die Landwirtin, die auf ihren Flächen auch Dinkel, Buchweizen oder Ackerbohnen anbaut.

Besonders beliebt sei bei „Susi’s Farm“ im Übrigen der selbst gemachte Fleischsalat, der ohne Zusatzstoffe nach einem alten Familienrezept hergestellt werde, sagt Völger. „Die Mortadella dafür beziehen wir aus der Fleischerei meines Onkels in der Nähe von Leerte“, berichtet der Filialleiter und fragt: „Wenn ich ihm nicht vertrauen kann, wem dann?“

Ergänzt wird das Sortiment von „Susi’s Farm“ um Produkte anderer regionaler Hersteller, darunter Kaffee, Wildkräutersalze oder Delikatessen. „Hier wünsche ich mir noch weitere regionale Anbieter“, sagt Susanne Janßen. Am Sonntag, 27. Januar, stellt sie ihr Geschäft von 12 bis 17 Uhr mit einem Tag der offenen Tür vor. Dann wird es auch Kostproben geben.

Frank Jacob
Frank Jacob Redaktion Rastede, Redaktion Wiefelstede