MOORRIEM - Manche Nacht, wenn Moorriem im Dunkeln liegt und die meisten Menschen friedlich in ihren Betten schlafen, ist ein Mann noch unterwegs. Mit der Taschenlampe in der Hand kontrolliert Jürgen Büsing dann die Wasserstände in den Sielen und Gräben, um zu entscheiden, wie viel am nächsten Tag abgepumpt werden muss. Seit fünf Jahren ist der 57-Jährige ehrenamtlicher Vorsteher der Moorriem-Ohmsteder Sielacht und trägt damit eine große Verantwortung.
Großes Gebiet
„Man wächst in diese Aufgabe hinein“, erklärt er im großen Konferenzsaal des Verbands im Schöpfwerk in Dalsper. Aus dem zweiten Stock, hoch über den zwei großen Pumpen im Erdgeschoss, hat man einen weiten Blick über Moorriem. „Ich war 15 Jahre lang stellvertretender Vorsitzender. Da habe ich viel gelernt“, sagt der Landwirt. Im Verbandsgebiet kennt er jedes Gewässer mit allen Eigenschaften. Womit er sich ziemlich viel merken muss, denn die Moorriem-Ohmsteder Sielacht ist für 14 000 Hektar Land, 220 Kilometer Gewässer zweiter Ordnung und 50 Kilometer Gewässer dritter Ordnung zuständig. „Dazu kommen noch 150 Kilometer Wirtschaftswege, das ist in Niedersachsen einmalig“, berichtet Büsing und zeichnet mit dem Finger auf einer großen Karte das Gebiet nach, das er und seine Mitarbeiter im Auge behalten müssen. Es reicht bis nach Oldenburg zur Weser-Ems-Halle, nach Wahnbek und zurück nach Lienen. Eigentlich ist die Aufgabe des Verbandsvorstehers ein Full-Time-Job. „Man bracht Herzblut, dann schafft man das“, ist Jürgen Büsing überzeugt. Doch das sei noch nicht alles. „Ohne meine Frau Ute würde es nicht gehen. Ich bin oft weg, und habe volle Rückendeckung von ihr.“ Das Ehepaar hat zwei Töchter und zwei Enkel.
Neue Wege
Etwas mehr Zeit hat Büsing seit dem 1. April. „Seitdem melken wir auf dem Hof nicht mehr“ erklärt der 57-Jährige. Die Milchkühe stehen jetzt auf dem Hof des künftigen Schwiegersohns in Köterende, Büsings in Moorriem übernehmen dafür die komplette Jungtieraufzucht. „Wie haben die zwei Betriebe einfach zusammengelegt“, erklärt der Landwirt.
Er geht gern neue Wege. So ist er auch Mitgeschäftsführer beim Windpark Wehrder, an dem auch viele Elsflether Bürger beteiligt sind. In der Industrie- und Handelskammer Oldenburg engagiert Büsing sich in der Vollversammlung seit bereits zehn Jahren für das Thema erneuerbare Energien. Auch im Vorstand des Deichbandes ist er dabei.
Wie er neben diesen vielen Aufgaben noch Zeit für sein Hobby, das Jagen, findet, bleibt Jürgen Büsings Geheimnis. Und wenn schlaflose Bürger einen Mann mit Taschenlampe durch die Nacht wandern sehen, wissen sie ab sofort, dass es nicht immer ein Einbrecher sein muss.
