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Dampftag Noch lange kein altes Eisen

Ulrike Krebs

Moorsee - Sie ist mehr als 100 Jahre alt, aber zum alten Eisen gehört sie noch lange nicht. Das hat die Lokomobile am Sonntag beim alljährlichen Dampftag an der Moorseer Mühle wieder gezeigt.

5,5 Tonnen schwer

Das 1911 gebaute Antriebsgerät wurde auf dem Gelände der Moorseer Mühle allen Interessierten vorgeführt. Dabei meisterte das 5,5 Tonnen schwere Stahlungeheuer mit 26 PS und einem Betriebsdruck von 10 ATM seinen Auftritt problemlos.

In den Wintermonaten war die Speisepumpe von einem befreundeten Dampfmaschinisten aus Hude überholt worden. „Das war aber erst der Anfang“, erklärte der ehrenamtliche Mühlenhelfer Gert Seggermann, der zusammen mit seinem Sohn Christian Seggermann und Sven Albers im Einsatz war. „Dieses Jahr können wir so noch überbrücken. Aber im nächsten Jahr steht die große TÜV-Prüfung an. Bis dahin muss noch einiges getan werden.“

Die Besucher des Dampftages waren dennoch von dem historischen landwirtschaftlichen Gerät angetan. Mittlerweile sind es überwiegend Touristen, die sich von den freiwilligen Helfern in Moorsee die Funktionsweise einer Dampflokomobile erklären lassen.

Wie zum Beispiel Ulrike und Hans Werner Mai aus Kassel. „Die Einweisung war hervorragend“, fand der Nordhesse, der auf dem Land aufgewachsen ist und als Kind zum bislang letzten Mal eine Dampflokomobile gesehen hatte. „Die war aber nicht so alt“, räumte er ein.


Für seine Frau Ulrike, die im städtischen Umfeld groß wurde, war es dagegen gestern in Moorsee eine Premiere. Und auch für die drei Motorradfahrer, die auf ihrer Spritztour durch die Wesermarsch zufällig vorbeikamen. „Da dampfte was. Da mussten wir dann hin“, erzählte Norman Hermann, der mit seiner Frau Kerstin Hermann und dem befreundeten Bernd Niemeyer unterwegs war.

Die in Mannheim hergestellte Dampfmaschine lief viele Jahre in einem Sägewerk in Guatemala. 1989 wurde sie von Rudolf Braumiller nach Deutschland reimportiert. Seit 1993 steht sie im Museum der Moorseer Mühle.

1903 gekauft

Dampfmaschinen dieser Art wurden bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts in der hiesigen Landwirtschaft eingesetzt. Im Herbst trieben sie die großen Dreschmaschinen an. Vier Pferde waren erforderlich, um sie von Hof zu Hof zu bewegen. Nachdem die Moorseer Mühle im Jahr 1903 abgebrannt war, wurde eine ähnliche Dampfmaschine angeschafft. Die Lokomobile verwendete der Müller Anton Gerhard Reinken, um Getreide zu mahlen. Dieses wurde 1908 durch eine stationäre Dampfmaschine ersetzt.

 Die mittlerweile 31. Auflage des Mühlenfestes findet nächsten Sonnabend und Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr statt. Auch dann wird die geschichtsträchtige Lokomobile wieder im Einsatz sein.

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