MOORSEE - Wer regelmäßig am alten Bahndamm in Moorsee entlang radelt, hat sie schon entdeckt: die Vorboten eines wohl 800 Meter langen Naturlehrpfades, den der Hegering Abbehausen-Esenshamm-Seefeld anlegt. Im nächsten März soll er fertiggestellt werden, sagt Dr. Wolfgang Waßhausen, der Öffentlichkeitsarbeiter der hiesigen Jäger.
Nicht nur ihn stört, dass immer weniger Kinder die Natur in ihrer direkten Umgebung nicht mehr kennen. Und auch längst nicht jeder Lehrer wisse gut genug über das Tier- und Pflanzenleben zwischen Jade und Weser Bescheid. Dem soll der Naturlehrpfad abhelfen, der am anerkannten außerschulischen Lernort Moorseer Mühle anknüpfen wird und – nach einer Anlage in der Gellener Torfmöörte – erst der zweite seiner Art in der Wesermarsch ist. Klaus Martens hatte die Idee dazu. Verwirklicht wird sie von einer zehnköpfigen Arbeitsgruppe des Hegerings.
Er beginnt an der Kreuzung zwischen dem alten Bahndamm und dem Neuenweg – da, wo früher ein Bahnsteig der Butjadinger Bahn lag – und führt weiter in Richtung Westen. Als Erstes legte eine zehnköpfige Arbeitsgruppe des Hegerings in eintägiger Arbeit eine Benjeshecke an. Diese nach dem erst vor wenigen Wochen 70-jährig verstorbenen niedersächsischen Landschaftsgärtner Hermann Benjes benannte Totholzhecke soll Kleinsäugern wie Mauswiesel und Heckenbrütern wie Rotkehlchen und Zaunkönigen Unterschlupf bieten. Im Frühjahr werden die Jäger zwischen Hecke und Graben noch eine Krautzone anlegen.
Schon von Randalieren beschädigt worden ist eine Feldsteinmauer für Insekten und Vögel. Geplant oder bereits im Aufbau sind eine Igelburg aus niedrigen Pfählen und einer Tonkuppel für den Winterschlaf der Stachelritter, ein Kräutergarten mit heimischen Pflanzen, ein Insektenhotel, eine Anlage zum Schätzen von Entfernungen und ein Fernglas.
„Wir wollen vor allem die Sensorik der Kinder verbessern“, sagt Waßhausen. Dazu sollen auch Fühlkästen beitragen, die für jede Gruppe neu befüllt werden. Die Kinder greifen hinein und befühlen etwa Felle, Eicheln und Kartoffeln. Auch das Gehör der Kinder soll geschult werden. Dazu wird die Arbeitsgruppe Klangkörper in Bäume hängen, die aus verschiedenen Hölzern gefertigt sind. „Bäume klingen nämlich unterschiedlich“, erläutert Wolfgang Waßhausen. „Darauf basiert beispielsweise das Xylophon.“
Auch auf traditionelle Weise sollen Schüler Bäume erkennen: Es werden neue heimische Baumarten gepflanzt; außerdem werden Baumscheiben aufgestellt.
Dankbar ist der Hegering der Stadt, weil sie nicht nur das Gelände zur Verfügung gestellt hat, sondern auch mehrere kostenlose Einsätze des Bauhofs ermöglichte, der die Anlage künftig auch pflegen wird.
Doch mit körperlicher Arbeit und Ideenreichtum allein ist es nicht getan. Bei der nötigen Unterstützung halfen das Bingo-Lotto Niedersachsen und – dank der Vermittlung der Raiffeisenbank Butjadingen-Abbehausen – die VR–Stiftung der Volks- und Raiffeisenbanken. Beide Institutionen stellten jeweils 2500 Euro zur Verfügung.
Anmeldungen für den Naturlehrpfad nimmt Dr. Wolfgang Waßhausen unter Telefon 04731/2 33 40 an.
