Motzen - In den vierten Seenotrettungskreuzer der neuen 28-Meter-Klasse wurden am Donnerstag auf der Fasmer-Werft in Motzen die beiden Hauptmaschinen eingebaut. Sie wiegen zusammen 7,6 Tonnen und sind mit ihren insgesamt 32 Zylindern fast 4000 PS stark. Das Spezialschiff der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist für die Station Borkum bestimmt. Es soll im Frühjahr 2020 die 1988 gebaute Alfried Krupp ablösen. Die Taufe der neuen Hamburg findet am Sonntag, 19. April 2020, in der Hansestadt an der Elbphilharmonie statt.
Es ist Millimeterarbeit: Die Schiffbauer müssen eine schwebende Tonnenlast behutsam, langsam Stück für Stück in die richtige Position schieben, damit sie am Ende exakt auf ihrem Fundament sitzt.
Als erstes setzen die erfahrenen Schiffbauer die Backbordmaschine ein. Das rund 3,8 Tonnen schwere Aggregat hängt an stabilen Gurten am Brückenkran. Hochkonzentriert bugsieren die Mitarbeiter den Motor durch die enge Öffnung in den Maschinenraum. Unten stehen Kollegen, nehmen ihn an und drehen ihn, noch an Ketten hängend, von Hand in die richtige Position. Langsam lassen sie ihn auf das Fundament herunter. Dabei passen sie seine Lage immer wieder leicht an.
Anfangs ist beim Steuerbordmotor alles genauso wie bei der ersten Hauptmaschine. Erst über der Wartungsluke wird deutlich: Wegen des bereits eingebauten Backbordmotors ist es dort unten noch enger. Die Schiffbauer drehen, kippen und wenden das Aggregat, bis sie es an seinem Zwilling vorbei auf den vorgesehenen Platz stellen können.
In den nächsten Tagen folgt die Feinarbeit, bei der es um Hundertstel Millimeter geht: Die Maschinenbauer richten die beide Motoren exakt auf dem Getriebe und die folgende 6,5 Meter lange Welle bis zum Propeller aus. Erst danach verbinden sie die Aggregate fest mit dem Fundament.
Nach 35 Jahren wird es wieder einen Seenotrettungskreuzer mit dem Namen Hamburg geben. Heute fördern rund 20 000 Hamburger die Seenotretter mit regelmäßigen Spenden, und knapp 900 Sammelschiffchen haben dort ihren „Liegeplatz“. Zum Dank dafür soll 2020 ein Wettbewerb unter den Stadtteilen über den Namen des Tochterbootes der neuen Hamburg stattfinden.
Das bei Fassmer in Bau befindliche Seenotrettungsschiff ist 27,90 Meter lang und 6,2 Meter breit. Es hat einen Tiefgang von zwei Metern und kommt auf eine Höchstgeschwindigkeit von 24 Knoten (rund 45 Stundenkilometer).
