Kirchhatten - Das neue Haus am Späthenweg Nr. 9 in Kirchhatten ist fast fertig, doch richtig freuen kann sich das Ehepaar Isabel (30) und Matthias Saager (41) nicht. Die Bauherren aus Oldenburg drückt ein gravierendes Problem: Es ist etwa 350 m³ groß, ca. 500 Tonnen schwer und türmt sich auf dem Nachbargrundstück auf.

Im April 2014 ist das von ihnen beauftragte Bauunternehmen beim Anlegen des Fundaments auf eine riesige Menge Müll gestoßen: Kabelreste, Fahrräder, Schilder, eine dicke Ascheschicht und Eternitplatten, sind laut Matthias Saager entdeckt worden. Seitdem lagert der Aushub auf dem Nachbargrundstück. 11 000 Euro musste Saager zusätzlich aufbringen, um ausreichend Füllboden zu kaufen. Doch die ganze Angelegenheit droht noch viel teurer zu werden.

Ein Gutachter der HPC AG Bremen hat 50 Einzelproben genommen. Er kommt zu dem Schluss, dass von dem Gemenge aus Bauschutt, Metall- und Plastikstücken, Asche und Kabelresten zwar keine unmittelbare Gesundheitsgefahr ausgeht, es aber auf einer Deponie der Klasse I – die nächste liegt in Mansie (Gemeinde Westerstede) – entsorgt werden muss. Der Kostenvoranschlag eines Entsorgungsunternehmens: 55 000 Euro.

„Das ist nicht unser Müll“, ist Matthias Saager empört. Doch wie kamen die Rückstände in die Erde? Die Vermutung der Saagers und ihres Anwaltes, dass es sich um Reste des 2005 völlig ausgebrannten Landhandels handelt, der unweit des Grundstücks stand, hält das Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft in Wildeshausen für nicht stichhaltig. Luftaufnahmen hätten keine Veränderungen dokumentiert. „Es sieht stark nach einer ehemaligen Abfeuerungsstätte aus den 50er und 60er Jahren aus, eine sogenannte Bürgermeisterkippe, wie es sie bis Anfang der 70er Jahre viele gab, ehe die Abfallbeseitigung dem Landkreis übertragen wurde“, sagt Uwe Dölemeyer, der sich vor Ort umgesehen hat.

Die in Bad Ems lebende Verkäuferin des Grundstücks, der unter anderem auch das unbebaute Nachbargrundstück gehört, stellt sich bislang auf den Standpunkt, sie habe nichts von den Hinterlassenschaften im Erdreich gewusst. Momentan deutet vieles darauf hin, dass Gerichte darüber entscheiden müssen, wer am Ende Recht bekommt.

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten