München - Die neue „Wirtschaftsweise“ Monika Schnitzer ist zuversichtlich, dass Deutschland gut aus der Corona-Krise kommen wird. „Ich erwarte, dass die Wirtschaft mit der langsamen Lockerung der Maßnahmen auch rasch wieder ins Laufen kommt“, sagte die 58-jährige Professorin. Der Anreiz, wieder aktiv zu werden bei den Unternehmen und auch der Nachholbedarf der Konsumenten seien groß.

All dies gelte aber nur, wenn es gelinge, die Infektionen so unter Kontrolle zu bekommen, dass keine zweite Infektionswelle drohe, betonte die Wirtschaftswissenschaftlerin. Doch dafür sei „gerade Deutschland mit seinem starken Gesundheitssystem gut aufgestellt“. Allerdings werde nicht alles gleich schnell wieder ins Laufen kommen. „Aber dafür haben wir Rücklagen und Hilfen, um dort für Ausgleich zu sorgen, wo es nötig ist.“

Die aktuellen Lockerungen der Maßnahmen hält Schnitzer für eine „sehr gute Mischung“ zwischen Schutz und einer vorsichtigen wirtschaftlichen Öffnung. Sie fände es aber grundsätzlich besser, wenn es einheitliche Lösungen gäbe. „Auf diese Weise könnte man Neid vermeiden, wenn die Einen etwas schon dürfen, die Anderen aber noch nicht. Und es verringert die Gefahr, dass die Menschen denken, die Maßnahmen seien übertrieben.“

Größere Sorgen als um Deutschland macht sie sich um den internationalen Bereich: „Wenn unsere Absatzmärkte wie China und die USA einbrechen und im Krisenmodus bleiben, wird es uns schwerfallen, wieder auf die Umsatzzahlen zu kommen, die wir vorher hatten.“ Es sei zudem „extrem wichtig, dass wir dafür sorgen, dass die von der Corona-Krise besonders stark betroffenen Länder nicht noch stärker in Schwierigkeiten kommen. Das ist auch in unserem eigenen Interesse, denn unsere Wirtschaft ist gerade in Europa sehr stark verflochten. Wir werden also nicht alleine aus der Krise kommen.“

Grundsätzlich sieht die Wirtschaftsweise „keine Veranlassung“ für die Befürchtung, dass Deutschland die finanziellen Lasten durch die verschiedenen Rettungsmaßnahmen nicht tragen könne. Es sei aber wichtig, diese Lasten nicht nur den kommenden Generationen, sondern auch den jetzigen aufzubürden.


Das oberste Ziel staatlicher Hilfen müsse sein, die drohende Insolvenzwelle zu vermeiden. Bei Hilfen müsse man die Spreu vom Weizen trennen, auch im Hinblick darauf, ob die Geschäftsmodelle nach der Corona-Krise noch tragfähig seien. Doch es sei „offensichtlich, dass man hier nicht mit der gleichen Gründlichkeit wie im Normalfall vorgehen kann“. Hilfen müssten „pragmatisch und zügig“ erfolgen. „Es wird also Streuverluste und Kredite geben, die nicht zurückgezahlt werden.“

Schnitzer setzt bei der Bewältigung der Krise auch auf die Kreativität der Menschen. „Das kann der Fitnesstrainer sein, der seine Kurse online anbietet, oder die Künstlerin, die auf Instagram Live-Konzerte für ihre Fans gibt“, sagte sie. „Es muss nicht alles vom Staat kommen. Hier ist auch die Initiative von Privatleuten gefragt – und die sind erstaunlich erfinderisch.“