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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Von Fingerabdruck bis Gesichtserkennung

09.03.2019

München /Darmstadt Für viele Computer- und Handynutzer ist es längst Routine: Kurz mit dem Finger über die Fläche fahren oder den Daumen auf das runde Feld drücken, schon ist der Bildschirm entsperrt. Besitzer neuerer Geräte können zur Freischaltung auch in eine 3D-Kamera gucken, in der ein Sensor das Auge oder das ganze Gesicht erfasst. Fingerabdruck-Scan oder Gesichtserkennung – solche biometrischen Authentifizierungs-Systeme sind praktisch. Sie sorgen unter anderem dafür, dass Verbraucher sich keine hundert Pins und Passwörter mehr merken müssen, die noch dazu oft leicht zu umgehen sind.

Und sie werden immer sicherer. Der Münchner Chiphersteller Infineon etwa verbaut Sensoren mit der „Time-of-Flight-Technologie“ in Handys des Herstellers LG. Der Chip erfasst Infrarotlicht, das vom gescannten Objekt reflektiert wird. Auf diese Weise wird ein 3D-Bild des Gesichts erstellt. Mit schlichten 2D-Fotos des Besitzers lässt sich das Handy damit nicht mehr knacken. Zuvor hatte Apple bereits eine noch aufwendigere Variante der Gesichtserkennung („FaceID“) für das iPhone entwickelt.

„Einfache Systeme wie 2D-Kameras oder Fingerabdrucksensoren konnten überlistet werden“, sagt Peter Laackmann, Sicherheitsstratege bei Infineon. „Neuere Verfahren wie die dreidimensionale Gesichtserkennung bieten weitaus höhere Sicherheit.“ Doch hundertprozentig lässt sich diese mit keinem System garantieren.

Erst Ende 2018 tricksten Hacker des Chaos Computer Clubs (CCC) einen Sensor aus, der die Venenstruktur unter der Hand erkennt und zuordnen kann, auch wenn es sich aus Sicht von Experten um ein veraltetes Gerät gehandelt hatte, das nicht auf dem neuesten Stand der Technik war.

Dennoch finden biometrische Authentifizierungsverfahren auch in Deutschland immer mehr Anklang, denn sie versprechen Komfort und Sicherheit. Fast 90 Prozent der Bundesbürger würden etwa bargeldlose Bezahlungen per Fingerabdruck autorisieren, hat der Digitalverband Bitkom vor einigen Tagen in einer Umfrage ermittelt. „Im Vorjahr waren es erst 80 Prozent“, teilte der Verband mit. Und diese Verfahren sind auch in der Wirklichkeit angekommen. Bezahlverfahren wie Apple Pay, Google Pay oder in Banken-Apps setzen längst auf eine biometrische Freigabe der Transaktionen.

Für die Industrie ist es zudem ein wichtiges Wachstumsfeld. Die gleichen Sensoren, die Unternehmen wie Osram und Infineon etwa für das autonome Fahren entwickeln, werden zunehmend auch für biometrische Verfahren in Handys oder Laptops verbaut. Das Marktforschungsunternehmen Acuity Market Intelligence geht davon aus, dass sich die weltweiten Umsätze mit biometrischen mobilen Anwendungen von derzeit 26 Milliarden US-Dollar bis 2022 nahezu verdoppeln werden.

Und die Sensoren können mehr messen als Fingerabdrücke. Längst können sie auch Menschen anhand ihres Gangs oder ihrer Bewegungen identifizieren. „Man hat alle körperlichen Merkmale erforscht und zumindest versuchsweise auch erfasst“, sagt Florian Kirchbuchner, Leiter der Abteilung Smart Living & Biometric Technologies beim Fraunhofer-Institut für Grafische Datenverarbeitung (IGD) in Darmstadt. Auf diese Weise lassen sich Menschen im Idealfall eindeutig identifizieren. Mitarbeiter einer Firma etwa, die, einmal am Gang erkannt, Zugang zu ihrem Arbeitsplatz erhalten.

Doch die dabei anfallenden Daten sind sensibel. „Mit den so gewonnenen Bewegungsmustern lassen sich auch Rückschlüsse auf unser Verhalten, unsere Vorlieben, oder sogar unsere Emotionen ziehen“, sagt Kirchbuchner.

Der Schutz dieser Daten müsse gewährleistet sein, sagt Kirchbuchner. Eine wichtige Maßnahme sei etwa, keine Rohdaten zu speichern, also keine Fotos oder Audioaufnahmen der Stimme. Apple etwa speichert bei seinen „TouchID“-System keine Bilder der Fingerabdrücke, sondern lediglich mathematische Darstellungen davon.

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