MüNSTER - Juristische Auseinandersetzungen mit Geschäftspartnern, ein Finanzvorstand, der nach nur wenigen Wochen das Unternehmen verlässt und ein Aktienkurs auf Talfahrt: Es hätte viele Gründe für eine turbulente Hauptversammlung der Deutschen Biogas AG (Friesoythe) geben können.

Doch kritische Fragen der rund 40 anwesenden Aktionäre und Gäste blieben am Freitag bei der ersten öffentlichen Aktionärsversammlung des börsennotierten Biogasunternehmens in einem Hotel in Münster weitgehend aus. Stattdessen sprachen die Anteilseigner Vorstand und Aufsichtsrat mit großer Mehrheit das Vertrauen aus.

Gleich zu Beginn der Hauptversammlung präsentierte Aufsichtsratschef Joachim Meier zu Uphausen die Ergebnisse eines unabhängigen Gutachtens der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PWC), das die Deutsche Biogas in den laufenden Rechtsstreitigkeiten entlastete. „Die Untersuchung bestätigt den Aufsichtsrat in seiner Einschätzung, dass sich die Vorwürfe als nicht haltbar erweisen“, sagte zu Uphausen.

Wie berichtet, hat ein ehemaliger Geschäftspartner, die Envitec Biogas AG aus Lohne (Kreis Vechta), wegen angeblich nicht beglichener Forderungen aus einem 15-Millionen-Darlehen Klagen beim Landgericht Oldenburg eingereicht. Zudem hatten zwei Landwirte und Geschäftspartner der Deutschen Biogas Anzeigen unter anderem wegen angeblicher Untreue und Prozessbetrugs erstattet. „Vorstand und Aufsichtsrat blicken den Klagen gelassen entgegen“, sagte zu Uphausen.

Mit Blick auf den Aktienkurs räumte Vorstandschef Horst Lammers ein, dass der Verlauf „völlig unbefriedigend“ sei. Die Aktie, deren ersten Kurs im Dezember 2010 bei 8,75 Euro lag, war Mitte August bis auf 3,00 Euro gefallen. „Der derzeitige Aktienkurs spiegelt nicht das wirtschaftliche Potenzial wider“, meinte Lammers. Er verwies darauf, dass der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr um 13,5 Prozent auf 20,2 Millionen Euro und die installierte Leistung auf 17 Megawatt gesteigert worden sei.


Die Energiewende und die ab 2012 greifenden Neuregelungen beim Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) böten guten Chancen, die Erlöse weiter zu steigern. „Das Betreiben von Biogasanlagen ist lukrativ und langfristig skalierbar“, sagte er.

Positive Auswirkungen auf den Aktienkurs und eine verbesserte Wahrnehmung der Gesellschaft am Kapitalmarkt erhofft sich der Vorstandschef auch durch die von den Anteilseigenern beschlossene Aufstockung des bislang dreiköpfigen Aufsichtsrats auf sechs Mitglieder. Neu in das Gremium rückten der in Oldenburg aufgewachsene Thomas A. Lange, Vorstandsvorsitzender der National-Bank AG in Essen, Andreas Bünger, Geschäftsführer der Stadtwerke Eutin, und Benedikt Buhl, ehemaliger Vorstandssprecher der Oldenburgischen Landesbank (OLB).

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft