MUNDERLOH - Als der am Ossendamm wohnende Landwirt und Musiker Wilhelm Brüers im Frühjahr 1911 von einer Musikveranstaltung nach Hause zurückkam, stand sein Entschluss fest: Er wollte eine Gastwirtschaft kaufen. Dies tat er schnell. Für 20 000 Goldmark erwarb er die „Wirtschaft mit Warenhandlung“ in Munderloh. Zusätzlich ließ er ein Wohnhaus bauen.

Auch mit dem Einzugstermin, 1. Mai 1911, hatte der Investor es sehr eilig, der Tresen wurde zunächst noch aus Zementkübeln und Brettern hergerichtet. Das und andere Details erfuhren die über 250 Gäste am Sonntag bei der Jubiläumsfeier zum 100-jährigen Bestehen des Landgasthauses Brüers. Die Wirtsfamilien Christine und Werner Brüers sowie Christian Brüers und Christina Mackenzie hatten Verwandte, Freunde, Nachbarn und Vereine nach Munderloh eingeladen. Festredner Jürgen Lueken vom gegenüber liegenden Hof Lueken, der wie Vater Herbert mit der wechselvollen Geschichte des Munderloher Gasthofes besonders gut vertraut ist, erinnerte mit Lichtbildern an die wichtigsten Stationen: den Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 und die Schwierigkeiten, Lebensmittel für den Laden zur Versorgung des Dorfes zu bekommen. Wilhelm Lueken machte weiterhin Musik und arbeitete als Tanzlehrer: im Laden sowie in der Haus- und Landwirtschaft hielt Ehefrau Helene, mittlerweile Mutter von sechs Kindern, die Stellung.

Im Zweiten Weltkrieg geriet Munderloh unter starken Beschuss, dem neben vielen anderen Häusern des Dorfes auch der Gasthof zum Opfer fiel und abbrannte. Doch der Wiederaufbau ließ nicht lange auf sich warten. Weihnachten 1945 konnte das Wohnhaus bezogen werden, zwei Jahre später der Betrieb und im März 1949 war auch ein neuer Saal wieder da. Im Laufe der Jahre kamen Kegelbahnen, Schießhalle, Gesellschaftsräume, Sektbar und Biergarten hinzu.

Werner Brüers übernahm den Betrieb 1968, unterstützt von seiner Frau Christine, seit 1. Juni 2005 sind Christian Brüers und seine Frau Christina Mackenzie für das Landgasthaus verantwortlich. Alle vier mussten am Sonntag viele Hände schütteln und Blumengeschenke entgegennehmen. Sie bedankten sich mit einem Büfett, für einen musikalischen Leckerbissen sorgte das Duo „Tea for Two“ mit stimmungsvoller Salonmusik.