Oldenburg - Gut drei Monate nach der Fertigstellung hat sich erstmals eine öffentliche Diskussionsveranstaltung mit der Erinnerungswand für jüdische Opfer der Nazi-Diktatur beschäftigt. In der vom Historiker Dietmar von Reeken moderierten Aussprache kamen im Wesentlichen die Kritikpunkte auf den Tisch, die verschiedene Seiten in den vergangenen Monaten nach und nach geäußert hatten.
Selbstkritisch zeigte sich Ratsvertreter Jonas Christopher Höpken (Linke). Er verwies zwar auf die öffentlichen Kulturausschusssitzungen, in denen die Pläne für das Denkmal vorgestellt und beschlossen worden sind. Er räumte aber ein, dass eine stärkere Beteiligung der Öffentlichkeit sinnvoll gewesen wäre. Andererseits wurde Werkstattfilm-Vorstand Farschid Ali Zahedi – ein Kritiker der Wandgestaltung – gefragt, warum er sich nicht früher zu Wort gemeldet habe. Wer zu welchem Zeitpunkt Informationen hatte und an welche Verteiler sie gingen, wurde an dem Abend nicht deutlich. Aus Sorge vor radikalen Äußerungen hatten die Initiatoren jedenfalls die Öffentlichkeitsarbeit gedrosselt, wie Ratsfrau Gesine Multhaupt (SPD) berichtete. Ein Fehler, wie Pastor Dieter Qualmann kritisierte.
Der frühere Leiter der evangelischen Akademie hinterfragte auch, warum sich der Arbeitskreis auf der Gedenkwand festgehalten und damit selbst ein Denkmal gesetzt habe. Seine Nachfolgerin, Pastorin Brigitte Gläser, fordert unumwunden, die Namensangabe zu entfernen.
Einigkeit besteht in dem Punkt, dass die letzten Wohnorte der jüdischen Opfer um die Angabe ihres Lebensmittelpunktes ergänzt werden müssten.
Nach welcher Systematik dies geschieht und ob die Angaben auf eine Info-Tafel neben die Wand gehören, blieb offen. Wie überhaupt die Frage: Wie geht es nun weiter?
