Bad Zwischenahn - Die Kunden waren schon etwas verdutzt, als sich an der Apotheke Hahns Treffpunkt Gesundheit (wie in vielen anderen im Ammerland auch) Donnerstag zwischen 12 und 13 Uhr die Tür nicht wie zu dieser Zeit üblich öffnen ließ. Stattdessen bediente Apothekerin Silja Wilckens durch die Notdienstklappe, nahm Rezepte an, händigte Arzneimittel aus, kassierte – ohne Notdienstzuschlag von 2,50 Euro.

Die Apotheken wollten mit einer bundesweiten Aktion auf die, so Wilckens, „existenziellen Probleme“ der Branche aufmerksam machen. Denn der Zuschlag decke bei weitem nicht die Kosten eines Notdienstes und stehe in keinem Verhältnis zu der Entlohnung anderer Dienste an Wochenenden oder in der Nacht, betont die Apothekerin.

552 Stunden hatte sie im vergangenen Jahr über die normalen Öffnungszeiten (rund 300 Stunden im Monat) hinaus Dienst. 70 Kunden hat sie in 18 Nächten gehabt, 520 an den Wochenenden. Dafür hat sie an drei Feiertagen und 17 Wochenenden gearbeitet – immer persönlich, weil stets ein Apotheker vor Ort sein muss – entlohnt wird das von den Krankenkassen mit 2,50 Euro pro Kunde. Und so ergehe es den meisten Apotheken, betont Wilckens.

„Wir wollen das Angebot ja gerne erhalten. Aber je mehr Apotheken schließen, desto schwieriger wird es.“ Und bundesweit hätten im Vorjahr 317 von gut 20 000 geschlossen. Der Apothekernachwuchs würde überwiegend bei der Pharmaindustrie und den Krankenkassen landen. „Jetzt wollen wir der Bundesregierung die Wichtigkeit des Erhalts der Apotheken klarmachen.“ Die habe den Apotheken eine finanzielle Unterstützung in Form einer Pauschale versprochen. Gezahlt werden sollte ab Januar, gezahlt worden sei bisher nicht.

Handlungsbedarf sieht die Apothekerin vor allem auch bei den Kassen. Die müssten mehr für den Dienst zahlen. Um auch für die Kunden Transparenz zu schaffen, wäre für Wilckens eine Umstellung im System notwendig, nach der – wie bei Privatversicherten – „Leistungen zunächst privat erbracht oder zumindest in Rechnung gestellt“ würden. „Nur dann sieht der Patient auch, was alles kostet.“ Und dann nehme auch die Unzufriedenheit mit einem Gesundheitssystem ab, das bei allen Problemen „eines der besten der Welt“ sei.


Bei den Kunden, die den „mittäglichen Notdienst“ nutzten, stieß die Aktion durchweg auf Zustimmung. Spätestens nachdem sie von Wilckens oder ihren vor der Apotheke stehenden Mitarbeitern aufgeklärt worden waren.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)