Oldenburg
– In der Gastronomie sind künstlich erzeugte Lebensmittel weiterhin häufig nicht gekennzeichnet. Wenn etwa eine Schinken-Pizza angeboten werde, müsste häufig eigentlich ein Vermerk zum oft verwendeten „Schinken-Imitat“ auf der Speisekarte stehen. Dies sei aber „in der Regel nicht so“, meinte Professor Eberhard Haunhorst vom Lebensmittel-Kontrollinstitut Laves aus Oldenburg bei der Veranstaltung „Niedersachsen: Unser Land. Starke Regionen“ des Landesbüros Niedersachsen der Friedrich-Ebert-Stiftung. Auch Käse-Imitate seien „verbreitet“ und nicht richtig gekennzeichnet, so Haunhorst. Seine Behörde ist auch für den Schutz der Verbraucher vor Täuschungen zuständig.Benennen, kennzeichnen
Solche Kunstprodukte seien nicht gesundheitsschädlich. Aber man müsse „darüber reden, wie man sie benennt und kennzeichnet“, sagte Haunhorst vor etwa 50 Gästen im historischen Saal der Landwirtschaftskammer.Berater Andrea Arcais, einst im Management von „Slow Food“, kritisierte, dass im Lebensmittelsbereich „zunehmend etwas industriell erschaffen wird, das vorgibt, etwas zu sein, es aber nicht ist“. Und das sei „vermarktbar“. Die große Mehrheit der Bevölkerung sei etwa bei Analog-Käse oder Gel-Schinken nämlich „nicht in der Lage, das zu schmecken“. Der Nahrungsexperte sieht eine „Verarmung an Geschmackswahrnehmung“. Angesichts der vielen künstlich gewürzten Produkte werde manche Natur-Nahrung als „fade empfunden“. Es werde eine „Generation von Käufern herangezogen, die nichts anderes mehr erwartet“ als künstlich erzeugte Nahrungsmittel. „Die, die noch Originale produzieren, geraten ins Hintertreffen.“ Arcais verlangte eine „Kennzeichnung, die eindeutig ist“. Auch die „Ampel“ mit Angaben zu Fett, Zucker usw. sei „richtig“.
Ziel der Politik müsse es sein, dass, „wenn Käse drauf steht, auch Käse drin ist“, forderte bei der Veranstaltung der SPD-nahen Stiftung der Oldenburger-Landtagsabgeordnete Wolfgang Wulf (SPD). Irreführende Angaben auf den Verpackungen und verschiedenste Verpackungsgrößen machten den Gang durch den Supermarkt zu einem „Irrweg“, sagte Franziska Schröter vom FES-Landesbüro.
In einer Diskussion mit Arcais, Haunhorst, Hedi Grunewald (Verbraucherzentrale Niedersachsen), Torsten Matthias (Frosta) und Karin Stief-Kreie (Agrar-Sprecherin SPD- Landtagsfraktion) war man sich weitgehend einig, dass die Lösung vieler Probleme in besserer Kennzeichnung und einem mehr wählerischen Konsumverhalten liegt.
Freiwillige Kontrollen
Der Direktor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Jürgen Otzen, betonte, viele regionale Unternehmen sicherten ihre Nahrungsqualität zusätzlich „in erheblichem Umfang“ durch freiwillige Kontrollen ab. Am Weltmarkt könne man „nur mit Top-Qualität“ bestehen.
