Nordenham - Schriftlich haben sie es zwar noch nicht, aber die Mitglieder des Naturschutzvereins Nordenham gehen davon aus, dass sie ihr Pachtgelände an den Bahngleisen zwischen Hansingstraße und Strandallee bald räumen müssen. Die Firmengruppe Thieling aus Augustgroden, die das ehemalige Gartenland der Deutschen Bahn bei einer Auktion ersteigert hat, will dort Wohnhäuser errichten (die NWZ berichtete). „Wir gehen davon aus, dass wir eine Kündigung bekommen werden“, sagt der Vorsitzende Peter Nottelmann. Das bedeutet früher oder später auch das Aus für die große Streuobstwiese, die der Naturschutzverein dort unterhält. In diesem Wissen bemüht sich der Vorstand um Ersatzflächen und ist dabei in Atens fündig geworden.
2000 Quadratmeter
Auf Nachfrage der NWZ bestätigte Vorsitzender Peter Nottelmann, dass der Naturschutzverein hinter dem Betriebsgelände des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) ein Grundstück gepachtet hat. Auf dem Gelände, das von der Oldenburger Straße aus zu erreichen ist und sich über etwa 2000 Quadratmeter erstreckt, will der Verein eine neue Streuobstwiese anlegen. Dafür hat der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland jetzt 20 Bäume gespendet. Das Einpflanzen der Apfel- und Birnbäume übernahmen Mitarbeiter des Naturschutzvereins Nordenham.
Zu der Übergabe der Spende war der Nabu-Kreisvorsitzende Franz-Otto Müller aus Brake nach Atens gekommen. Auf der künftigen Streuobstwiese traf er sich mit Peter Nottelmann und Dieter Blumenberg, der sich im Vorstand des Naturschutzvereins als Schriftführer engagiert und darüber hinaus der Ortsvorsitzende des Vereins Bahn-Landwirtschaft ist. Diesem Verein gehört das idyllisch gelegene Gartengelände zwischen OOWV und Hermann-Ehlers-Siedlung. Ziel ist, dass der Naturschutzverein dort weitere Parzellen übernimmt, sobald welche frei werden. Entsprechend könnte die Streuobstweise nach und nach wachsen.
Die derzeitige Streuobstwiese an den Großensieler Bahngleisen erstreckt sich über rund 5 Hektar und gilt als die größte in der Wesermarsch. In diesem Jahr hat der Naturschutzverein dort so viele Äpfel geerntet, dass er daraus auf der Umweltstation in Iffens fast 3000 Liter Saft pressen lassen konnte. So gesehen, ist das deutlich kleinere Areal in Atens nur ein bescheidener Anfang. Aber Peter Nottelmann ist zuversichtlich, dass der Verein bald weitere Flächen dazu bekommt.
Vögel und Insekten
Die Nabu-Kreisgruppe Wesermarsch unterstützt das Streuobstwiesenprojekt gerne, weil es die Lebensbedingungen für Vögel und Insekten verbessert. Dazu passt auch die aktuelle Spenden-Aktion des Nabu-Bezirksverbandes, der aus der Bingo-Stiftung finanzielle Zuwendungen für seine Aktion „Lebensraum Grünspecht“ erhält. Der Grünspecht steht dabei als Vogel des Jahres im Blickpunkt. Da er sich auf Streuobstwiesen besonders wohl fühlt, fördert der Nabu entsprechende Projekte. Ein weiterer Öko-Pluspunkt solcher Wiesen ist, dass sie viele Bienen anlocken.
