Wilhelmshaven/Langwarden - Durchwachsen fällt die Bilanz der Naturschützer zum 30. Geburtstag des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer aus: Es gebe „große Naturschutzerfolge“, aber auch „schmerzhafte Schwachstellen“. So fehle es insbesondere für die Unterwasserwelt des Weltnaturerbes immer noch an ausreichendem Schutz.
Dennoch gratuliert Hans-Ulrich Rösner vom WWF Deutschland: „An der Küste kann man stolz sein auf den Nationalpark. Seehunde sind auf einen großen Bestand angewachsen, die einst im Wattenmeer ausgerotteten Kegelrobben kamen zurück, viele Salzwiesen sind geschützt, und Millionen von Küstenvögeln finden mehr Ruhe zum Rasten und Brüten.“
Der Vertreter der Naturschutzverbände im Nationalparkbeirat, Holger Wesemüller, lobt vor allem die „großen Fortschritte“ des Jahres 2015: „Mit elf neuen Ranger-Stellen hat die Landesregierung endlich den Einstieg in eine professionelle Betreuung des Nationalparks ermöglicht.“ Sehr zufrieden sei er auch mit der Öffnung des Sommerdeichs am Langwarder Groden in der Wesermarsch, wo sich die Salzwiesen nun wieder natürlich entwickeln könnten.
Die Naturschützer haben aber auch gravierende Schwachstellen ausgemacht. So klagt Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler vom BUND: „Die Mündungen von Elbe,Weser und Ems, die eng mit dem Wattenmeer verbunden sind, werden vor allem zugunsten von Schifffahrt und Hafenwirtschaft extrem genutzt.“ Mit den Vertiefungen der Flussmündungen, mit Baggerungen und Verklappungen, aber auch mit Gaspipelines und Kabeltrassen für die Offshore-Windparks werde sehr stark in den Wattenmeerboden eingegriffen, was eine natürliche Entwicklung in großen Teilen des Nationalparks hemme.
Besser geschützt werden müsse zudem der biologische Teil der Unterwasserwelt“, ergänzt Hans-Ulrich Rösner vom WWF. Er kritisiert: „Im Nationalpark darf selbst nach 30 Jahren fast überall nach Krabben und Miesmuscheln gefischt werden, wo dies möglich ist.“
Die größte Gefahr für den Nationalpark, da sind sich die Umweltverbände einig, sei allerdings langfristig der Anstieg des Meeresspiegels, der durch den Klimawandel stark beschleunigt werde.
