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Medizin ,Die gefühlte Versorgung wird schlechter werden‘

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NEERSTEDT - Ab April wird der Allgemeinmediziner Dr. Manfred Schwarz zum Einzelkämpfer in einer Einmann-Praxis: Seine Neerstedter Kollegin Ines-Karina Weiland hat wegen einer schweren Krankheit ihre kassenärztliche Zulassung bereits am 21. Februar zurückgegeben, die Wildeshauser Partnerin Brigitte Schulte wird am 1. April in den Ruhestand gehen. Trotz intensiver Bemühung sei kein Nachfolger in Sicht.

„Eine Einmann-Praxis auf dem Land – das ist genau das, was keiner mehr haben will“, erklärt der 60-Jährige das Problem. „Zunächst werde ich die Gemeinschaftspraxis alleine weiterführen. Das bin ich meinen Patienten schuldig.“ Aber wie lange er das durchhalten werde, vermag er nicht zu sagen.

Dötlinger Modell

Rein medizinisch betrachtet, würden durch den Ärztemangel in der Gemeinde Dötlingen noch keine Versorgungslücken entstehen. Noch gebe es schließlich genügend Mediziner in Kirchhatten und Wildeshausen. „Aber die gefühlte Versorgung wird schlechter werden“, prognostiziert Dr. Schwarz. Vor allem diejenigen, die nicht mehr mobil seien, würden von der Versorgungslücke betroffen sein.

Um den Ärztemangel im ländlichen Raum auszugleichen, haben einige Bundesländer Modelle mit einer arztentlastenden Gemeindeschwester entwickelt. Diese Arzthelferinnen, die statt des Arztes auf Hausbesuche gehen, müssen eine spezielle Ausbildung vorweisen. „Sie müssen ein ausführliches Curriculum belegt haben – und das kostet richtig Geld“, deutet Dr. Schwarz die Schattenseiten dieser Modelle an. Der Allgemeinmediziner hat deshalb sein eigenes Modell entwickelt, dass so genannte „Dötlinger Modell“. Die Gemeindeschwester soll darin nicht den Arzt ersetzen, sondern lediglich vorsorgend Patienten aufsuchen. „Es ist ein niederschwelliges Angebot, ein pragmatisches Modell“, beschreibt er.

Gemeindeschwester gefragt

Dr. Schwarz hat seine 310 Patienten, die älter als 65 Jahre sind, selbst entwickelten Versorgungsstufen zugeordnet: von autarken Senioren bis hin zu palliativ betreuten Sterbenden. Ab Stufe 3 (nicht mehr mobil, leicht erkrankt) kommt Inka Brümmer, die Gemeindeschwester, regelmäßig zu Besuch. Die gelernte Arzthelferin wollte nach der Elternzeit wieder in ihren Beruf einsteigen. Seit einem dreiviertel Jahr schaut sie nun bei insgesamt 165 Patienten nach dem Rechten. Wenn ihr etwas auffällt, informiert sie Dr. Schwarz. Dadurch kann der schnell eingreifen, bevor sich der Gesundheitszustand gravierend verschlechtert.


Mehr Personal nötig

Die Akzeptanz ist ausgesprochen gut, kann Dr. Schwarz von seinem Modellprojekt berichten. „Mittlerweile rufen hier ältere Leute an und fragen empört: ,Warum kommt die Schwester nicht zu uns?‘“ Das Angebot gilt nämlich nur für seine Patienten. Angesichts des demographischen Wandels – und auch des Mangels an Ärzten – hat der Mediziner ausgerechnet: „Für eine mittelgroße Praxis in der Gemeinde Dötlingen bräuchte man eine Ganztags- und eine Halbtagsschwester.“ Inka Brümmer arbeitet neun Stunden die Woche auf 400-Euro-Basis. „Völlig unterbezahlt!“

Zumal mit dem Ausscheiden von Schwarz’ Kolleginnen jede Menge Arbeit auf die Praxis zukommt. „Die Realität hat mich eingeholt“, muss er, der vor gar nicht allzu langer Zeit die ärztliche Versorgung in Dötlingen noch als unproblematisch eingestuft hatte, nun eingestehen. Entgegen des ursprünglichen Plans entlastet die Gemeindeschwester jetzt doch den Allgemeinmediziner. Und der ist sich sicher: „Ich werde die Zeit noch erleben, in der die Kommunen umdenken müssen. Statt Prämien für Ärzte auszuschreiben, werden sie sich dann fragen, wie viele Nichtmediziner sie durch die Gemeinde laufen lassen.“

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