NEERSTEDT - Auf die Frage nach den zwei Wünschen muss Margrit Heykes-Richter, 1. Vorsitzende des Trägervereins der Neerstedter Pflegeeinrichtung Wohn- und Ferienhaus e.V., nicht lange überlegen: weniger Bürokratie und eine gerechtere Bezahlung der Mitarbeiter. Statt Zettelwirtschaft seien unangemeldete Kontrollen, etwa des Medizinischen Dienstes, ein viel wirksameres Instrument, um die Qualität der Pflege zu gewährleisten, gibt sie am Montag dem Bundestagsabgeordneten Holger Ortel (SPD) auf den Weg mit nach Berlin.

Neben Ortel sind der SPD-Landtagsabgeordnete Axel Brammer und Kreistagsvorsitzender Helmut Hinrichs nach Neerstedt gekommen, um aus erster Hand zu erfahren, welche Folgen die Pflegereform hat. Neben Heykes-Richter nehmen ihr Mann Volker Richter, Pflegedienstleiterin Cornelia Zobel, Bereichsleiterin Claudia Dammann, Thomas Baumgarten, Katja Suhren und Thomas Babik vom Heimbeirat sowie Ute und Hans-Jürgen Ziemann vom Vereinsvorstand an dem Gespräch teil. „Ich wollte eigentlich eine Familie, aber dann kam die Bürokratie“, sagte Heykes-Richter, die im Mai 1987 den Verein Wohn- und Ferienhaus gründete. Die Einrichtung hält 26 Plätze für behinderte Menschen vor, die Hilfe zur Pflege benötigen. Weitere zwölf Bewohner fahren täglich zu Behindertenwerkstätten in Oldenburg, Sandkrug oder Ganderkesee.

Etwa 20 Minuten Arbeitszeit fallen pro Schicht für Dokumentationstätigkeiten an, so Pflegedienstleiterin Zobel. „Vom Händewaschen bis zum Zähneputzen wird alles dokumentiert“, stellte sie die Auswüchse des „Pflegequalitätssicherungsgesetzes“ dar. Ortel wies darauf hin, dass die Politik derartige Details nie beschlossen habe. Er sagte zu, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) die Probleme zu schildern. Gleichwohl habe die Pflegereform laut Ortel nicht nur Bürokratie gebracht: „Positiv ist, dass nun endlich Demenzkranke von der Pflegeversicherung anerkannt werden.“ Das bestätigte auch Richter. Für 24 demenziell erkrankte Bewohner konnte eigens eine Ergotherapeutin eingestellt werden. Anfang März habe eine weitere Kraft ihren Dienst aufgenommen. Um den Ansprüchen der Bewohner stärker gerecht zu werden, soll eine dritte Mitarbeiterin zusätzlich geschult werden, sagte Zobel.