NEERSTEDT/WILDESHAUSEN - „Saisonal Abhängige Depression“ (SAD) repräsentiert eine Unterform depressiver Erkrankungen. Sie tritt regelmäßig zu einer bestimmten Jahreszeit auf – meist im Herbst und ausgehenden Winter.

Mangelnde Energie und verminderter Antrieb, niedergeschlagene Stimmung, Schuldgefühle und Freudlosigkeit kennzeichnen diese Depressionsvariante. Im Unterschied zu allen anderen Formen der Erkrankung geht die SAD nicht mit Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust einher. Im Gegenteil: Betroffene werden von Heißhunger auf Kohlehydrate geplagt und nehmen eher an Gewicht zu. Außerdem verspüren sie ein erhöhtes Schlafbedürfnis.

Mangel an Tageslicht

Welche Rolle spielt das Licht bei der SAD? Verantwortlich sind der Mangel an natürlichem Tageslicht und daraus resultierend auch mangelnde Bewegung im Freien, gerade bei Berufstätigen. Durch den Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit werden biochemische Prozesse im Gehirn ausgelöst, die für die Depression mitverantwortlich sind. Licht wirkt auf die Produktion des Hormons Melatonin, das unter anderem den Schlaf- und Wachrhythmus beeinflusst. Wer mehr als zwei Wochen mehrere der genannten Symptome bei sich beobachtet und darunter leidet, sollte Arzt oder Heilpraktiker aufsuchen.

Wie wird die SAD behandelt? Das zur Zeit erfolgreichste Mittel ist eine Licht-Therapie. Mit sehr hellen Lichtquellen – am wirkungsvollsten 10 000 Lux – das entspricht der Helligkeit eines strahlenden Sommertages, wird erreicht, dass die depressiven Symptome häufig schon nach drei bis vier Behandlungen abklingen. Sich vor seine Schreibtischleuchte zu setzen, nützt nichts. Herkömmliche Lampen haben im Vergleich nur 500 bis 700 Lux. Die Sonnenbank ist keine Alternative, denn die Wirkung der Licht-Therapie erfolgt nur über die Augen, nicht über die Haut.


Lange Spaziergänge

In der orthomolekularen Medizin gibt es einige bestimmte Nahrungsergänzungsstoffe, die zusätzlich gezielt bei diesen Beschwerden eingesetzt werden können. Nicht zuletzt gibt es in der Homöopathie einige Einzelmittel und Maßnahmen, die wieder Licht ins Dunkle bringen.

Lange Spaziergänge bei Tageslicht, auch bei bedecktem Himmel, sind ideal. Frische Luft und Bewegung wirken sich immer positiv aus, reichen aber bei weitem nicht jedem. Wem es an der Zeit für Spaziergänge fehlt, der kann ambulant eine Lichttherapie beginnen.

Dr. Rainer Woltmann ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in Wildeshausen. Irene Schwarz arbeitet als Heilpraktikerin in Neerstedt, Dr. Manfred Schwarz als Facharzt für Allgemeinmedizin in Neerstedt.