NEU-HOLZKAMP - Bei Liane Wempe klingelt es ununterbrochen – entweder ist es die Türglocke, die neue Kunden signalisiert, oder das Telefon beschert Bestellungen. Alle wollen Spargel haben. „Jetzt zu Ostern ist die Nachfrage größer“, weiß sie. Seit zehn Jahren ist sie mit Markus Wempe, dem Inhaber des Hofes, verheiratet und erlebt jedes Jahr aufs Neue die Spargelzeit.

Am 9. April haben die Erntehelfer den ersten Spargel gestochen, der unter Folientunneln gewachsen ist. Seit Dienstag gibt es Freilandspargel. Das milde Wetter in den letzten Wochen habe dem Spargel gut getan, die Erntezeit habe etwas früher begonnen als in den Vorjahren. Momentan setze die Trockenheit dem Gemüse noch nicht zu. „Spargel kann eine Menge Trockenheit vertragen, die Stangen sitzen tief in der Erde, wo es immer etwas feucht ist“, erklärt Liane Wempe.

Sollte die regenfreie Zeit weiterhin anhalten, müssten Wempes ihr acht Hektar großes Spargel-Areal von oben bewässern. Denn sonst bestünde die Gefahr, dass die Stangen dünner werden. Für manche Menschen sind schlanke Stangen zwar ein Hochgenuss, aber vor allem Restaurants achten beim Spargelkauf auf die Güteklasse eins: Weiße Köpfe und eine Mindestdicke von 16 Millimetern müssen perfekte Stangen haben.

Deswegen wird die Ernte nach dem Spargelstechen sofort per Hand nach Klassen sortiert. Die Arbeiter waschen die Stangen und ordnen sie einzeln in verschiedene Kisten. In Klasse zwei ist der Spargel genauso dick wie der erstklassige, hat aber einen violetten Kopf. Die Verfärbung entstehe durch Sonnenbestrahlung, berichtet Liane Wempe. Alles über 26 Millimeter Dicke fällt in die Kategorie Jumbo-Spargel. Ganz dünn und kurz ist in Wempes Küche angesagt: Baby-Spargel, nur etwa fünf Zentimeter lang, backt Liane Wempe ungeschält im Kartoffelauflauf.

Bis Mitte oder Ende Juni können die Arbeiter auf Wempes Hof noch Spargel stechen, dann ist die Saison vorbei. An Erntehelfern mangelt es der Familie in diesem Jahr nicht, es haben sich sogar mehr Arbeiter aus Polen gemeldet als benötigt wurden. Bis jetzt haben sie gute Erträge auf dem Wempe-Hof erzielt und können Restaurants und Großhändler der Region beliefern.


Privatkunden können sich die leckeren weißen Stangen auch direkt beim Hof abholen. „Ein Kilogramm der Klasse eins geschält kostet 8,40 Euro“, ist die Antwort, die auf fast jedes Klingeln folgt. Alle wollen jetzt Spargel haben.