Kleine Weser - Wenn ehrgeizige Pläne scheitern, ist das für den Bauherrn normalerweise kein Grund zur Freude. Bei Rainer Cornelius sieht das anders aus. Eigentlich wollte der Landwirt rund 1,4 Millionen Euro in die Hand nehmen und seinen Betrieb erheblich erweitern. In Kleine Weser wollte der Landwirt eine Mastanlage errichten und dort jährlich 9000 Mastschweine großziehen. Der 34-Jährige hat aber die dafür notwendigen Genehmigungen nicht bekommen. Im Prinzip hat er sogar Schwein gehabt, dass es nicht geklappt hat. Ein Umbau ist zwar weiterhin geplant, aber er wird deutlich kleiner ausfallen als ursprünglich geplant.
Rainer Cornelius bezeichnet sich selbst als „Exot“. Dabei ist er ein ganz bodenständiger Mensch. Was ihn in der Wesermarsch zum Exoten macht, ist sein Betrieb. Er hält keine Kühe, sondern Schweine. 1977 ist die Familie Cornelius in Kleine Weser damit angefangen. Zu diesem Zeitpunkt wurden auf dem Hof zwischen Großensiel und Hoffe auch noch Milchkühe gehalten. 1980 hat die Familie komplett auf Schweinehaltung umgestellt.
360 Zuchtsäue
Vor sechs Jahren übernahm Rainer Cornelius den Betrieb von seinem Vater. Zurzeit hält er rund 360 Zuchtsäue, die etwa 9000 Ferkel im Jahr werfen. Die Ferkel werden im Alter von zehn Wochen an Mastbetriebe verkauft. Sie haben dann ein Gewicht von etwa 29 Kilo. Noch vor einem Jahr waren die Ferkelpreise dermaßen im Keller, dass der Betrieb langfristig nicht überlebensfähig gewesen wäre. Deshalb wollte Rainer Cornelius den Schwerpunkt auf die Masthaltung legen und dafür eine Anlage mit 3000 Plätzen bauen.
Nach den Worten von Rainer Cornelius scheiterte das Vorhaben an der schlechten Straßenanbindung. Der Landwirt wollte eine direkte Anbindung von seinem Betrieb zur B 212 errichten. Er bekam aber keine Genehmigung dafür und musste sich von seinem Vorhaben verabschieden. Mittlerweile hat er keinen Grund mehr, sich darüber zu beschweren. Denn die Ferkelpreise sind inzwischen wieder deutlich angestiegen.
Trotzdem muss Rainer Cornelius umbauen. Eine EU-Vorschrift zwingt ihn dazu. Ab 2013 dürfen tragende Säue nicht mehr in so genannten Kastenständen gehalten werden. Sie sollen Auslauf bekommen und müssen in Gruppen gehalten werden. Dafür muss Rainer Cornelius in einen neuen Stall investieren. Im Zuge dieses Umbaus will der Landwirt auch die Kapazität an Mastplätzen erweitern: von jetzt 260 auf 560. Das bedeutet, dass er im Jahr rund 1500 Mastschweine großziehen und an Schlachtbetriebe verkaufen kann. Das sind deutlich weniger als die ursprünglich geplanten 9000.
Rainer Cornelius würde am liebsten sofort mit dem Umbau beginnen. Aber das Genehmigungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. In der nächsten Sitzung des städtischen Bauausschusses am Donnerstag, 8. November, ab 17 Uhr steht das Thema auf der Tagesordnung. Rainer Cornelius braucht das so genannte gemeindliche Einvernehmen der Stadt.
Noch Klärungsbedarf
Aus Sicht der Verwaltung spricht auch im Prinzip nichts dagegen. Nach den Worten von Peter Tamm, dem Leiter des Bauordnungsamtes, gibt es aber in einem Punkt noch Klärungsbedarf. Es fehlt noch ein Geruchsgutachten. Rainer Cornelius hat es bei der Landwirtschaftskammer in Auftrag gegeben. Er geht davon aus, dass es zu keinen Geruchsbelästigungen kommt: „Vorhandene Ställe werden saniert. Dadurch wird die Geruchsbelästigung eher weniger.“
