Brake - Während die Braker in ihren Betten liegen und schlafen, rollt schwere und sperrige Fracht über die Straßen der mittleren Wesermarsch. Die Windenergie-Branche boomt, und davon profitiert auch der Braker Hafen, über den immer mehr Komponenten von Windkrafträdern umgeschlagen werden. Das Problem dabei: Ab einer Fahrzeuglänge von 30 Metern und einer Breite von 3,70 Metern ist eine Begleitung durch die Polizei erforderlich – und die stößt längst an ihre Kapazitätsgrenze (die NWZ  berichtete).

Nun ist eine Lösung gefunden. Statt der Polizei werden in Zukunft die Spezialisten einer Privatfirma die Schwertransporte begleiten. Niedersachsen Ports hatte diese Arbeit europaweit ausgeschrieben. Den Zuschlag hat die Firma Universal Transport aus Paderborn bekommen.

Sieben Mitarbeiter, die sich bereits mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut gemacht haben, werden künftig nachts auf den Bundesstraßen 437 und 212 im Einsatz sein. Dass sie anstelle von Polizisten die Schwertransporte begleiten dürfen, ermöglicht ein Erlass des niedersächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums, der auf Initiative der Polizei in der Wesermarsch ergangen ist. Wie Klaus Lücke, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes der Braker Polizei erklärt, handelt es sich um ein Pilotprojekt.

Der Erlass gilt alleine für die Strecke von der Anschlussstelle Stotel der A 27, über die B 437, die B 212, die Raiffeisenstraße und die Nordstraße. Auf diesem Weg gelangen die Schwertransporte mit Komponenten von Windkraftanlagen in den Braker Hafen. Erst wenn diese Transporte länger als 65 Meter und breiter als 4,50 Meter sind, ist wiederum auch die Polizei gefragt.

Die Zahl der Schwertransporte in Richtung Hafen ist rapide angestiegen. Waren 2011 noch 688 Transporte zu begleiten, waren es im vergangenen Jahr bereits 1446 (plus 110 Prozent).


Laut Lücke ergibt sich durchschnittlich pro Nacht eine Zahl von 5,6 Transporten, die die Begleitung von jeweils zwei Polizeibeamten erforderten. In Spitzennächte seien es bis zu 40 Schwertransporte gewesen.

Markus Voth, Leiter des Polizeikommissariats Brake, ist froh, dass seine Beamten diese Belastung künftig nicht mehr auf sich nehmen müssen. Sie hätten dadurch wieder mehr Zeit für ihre originären Aufgaben. Und das sei auch für die Bürgerinnen und Bürger in der Wesermarsch eine gute Nachricht.

„Wir sind verhalten optimistisch“, sagt Hartmut Wolberg, Geschäftsführer der J. Müller Breakbulk. Die Begleitung der Schwertransporte hat die Kunden des Hafens stets Geld gekostet. Die Polizei verlangte aber weniger Gebühren als jetzt die Firma Universal Transport. Mit anderen Worten: Die Kosten für die Kunden steigen.

„Wir müssen aufpassen, dass das nicht zum Wettbewerbsnachteil für Brake wird“, sagt Wolberg. Zu verhaltenem Optimismus sieht der Breakbulk-Chef indes Anlass, weil er gegenüber den Kunden auch mit einem Vorteil der neuen Lösung werben kann: Die Privatfirma ist flexibler als die Polizei. Dass ein Transport nicht stattfinden kann, weil schlichtweg die Kapazitäten für die Begleitung nicht ausreichten, werde es in Zukunft nicht mehr geben, versichert Andreas Winkelhoch von Universal Transport.

Weil die Mitarbeiter der Firma – anders als die Polizei – nicht einfach Verkehrsteilnehmer auf der Straße stoppen dürfen, wurden an insgesamt vier kritischen Stellen auf der Strecke neue Ampeln installiert. Mit einer Fernbedienung können sie auf Rot geschaltet werden, damit andere Verkehrsteilnehmer anhalten müssen und die Schwertransporter passieren können.