Schwei - Darauf hat Schwei 70 Jahre lang gewartet: Voraussichtlich Ende Februar 2014 wird die neue große Bronzeglocke für die Kirche gegossen. Das Geld für Material, Guss und Transport ist vorhanden, und deshalb zögerte der Kirchbauverein nicht, den Auftrag zu vergeben.
Auftragnehmer ist die Glockengießerei Rincker aus Sinn bei Wetzlar in Hessen; der Betrieb ist seit mehr als 400 Jahren in der Hand einer Familie. Ausschlaggebend war für den Kirchbauverein nicht nur der Preis, sondern auch die Arbeitsweise: Die Glockengießer fertigen nach dem traditionellen Lehmformverfahren, sagt der Vorsitzende des Kirchbauvereins Schwei, Dr. Cord Diekmann.
Symbol des Friedens
Das neue Schmuckstück soll eine Friedensglocke sein. Deshalb wird es mit einer Taube als Symbol nach dem Vorbild Picassos versehen. Dazu kommt der Spruch „Selig sind die Frieden stiften“ aus der Bergpredigt.
Wer will, darf den Glockengießern bei der Arbeit zuschauen: Der Verein organisiert eine Busreise mit Übernachtung. Die Schweier Glocke wird zusammen mit Glocken für Kirchen in Frankfurt und Leipzig gegossen.
Im März wollen die Schweier ihre neue Glocke festlich am Dorfeingang in Empfang nehmen und zur Kirche geleiten, wo sie zunächst einfach nur aufgestellt wird. Doch auch das wird eine Augenweide, ist Cord Diekmann überzeugt: Nicht viele sind einer Glocke schon so nahe gekommen.
36 500 Euro sollen Material, Guss und Transport kosten – weniger, als zunächst gedacht. Der Löwenanteil des Geldes stammt, wie berichtet, von der Waltraut-und-Werner-Hofmann-Stiftung, die 28 000 Euro gespendet hat. 2500 Euro kommen vom Kirchbauverein selbst, 500 Euro vom Rüstringer Heimatbund und exakt 12 272 Euro aus etwa 40 bis 50 Einzelspenden – zusammen also gut 43 000 Euro, sagt Diekmann.
Übrig ist aber nichts, im Gegenteil: Es gibt noch eine zweite Stufe der Erneuerung des Geläuts, für das der Kirchbauverein weitere rund 11 500 Euro an Spenden braucht. Die will er unter anderem beim Martinsmarkt am nächsten Sonnabend und beim Weihnachtsmarkt am 14. Dezember einwerben. Bei beiden Märkten will der Verein Spendenglöckchen verkaufen und beim Weihnachtsmarkt zusätzlich Plätzchen in Glockenform, die Renate Hoppe backt.
Zudem bleibt das Spendenkonto des Vereins bei der Raiffeisen-Volksbank Varel-Nordenham geöffnet. Cord Diekmann,
Joch aus Eichenholz
In der zweiten Stufe geht es darum, die neue Glocke aufzuhängen. Vorher wird der Oberkirchenrat noch einmal die Statik des 1695 errichteten Kirchturms prüfen. Wenn genügend Geld zusammengekommen ist, soll nicht nur die neue Glocke eine neue Aufhängung erhalten, sondern auch die alte. Denn das traditionsreiche Joch aus Eichenholz ist vor Jahrzehnten durch ein solches aus Stahl ersetzt worden, weil die Verantwortlichen damals glaubten, Stahl sei Holz überlegen. Inzwischen weiß man es besser, und deshalb soll es nun für beide Glocken ein Joch aus Eichenholz geben.
Zudem soll die alte Glocke mit einem neuen Klöppel versehen und etwas umgehängt werden. Dr. Cord Diekmann hofft, alles bis Ende 2014 erledigt zu haben. Wenn das Geld bis dahin nicht reichen sollte, wird er den zinslosen Kredit über 6000 Euro, den Werner Hofmann angeboten hat, doch in Anspruch nehmen.
