Schortens/Sande - Nach der „Räumungsklage“ für die Saatkrähen auf dem Krankenhausgelände in Sanderbusch soll es für die dort vergrämten Rabenvögel nun einen Neuanfang im Barkeler Busch geben: Am Mittwoch haben Baumpfleger Friedrich Haschen aus Jever sowie Udo Schmorr und Dirk Wehner vom Garten- und Hausservice Schmorr (Schortens) zehn in Sande entfernte Nester in zwei Bäume auf dem Land in Barkel wieder eingesetzt.

Weitere zehn Nester sollen kommende Woche in Sande in den Wipfeln von Eschen und Weiden unweit des Ems-Jade-Kanals befestigt werden. In Jever sind bereits 16 aus dem Stadtgebiet entfernte Krähennester in zwei große Weiden bei der Frieslandhalle in der Nähe der Umgehungsstraße verfrachtet worden.

„Es ist ein Versuch, die Saatkrähen wieder in freier Natur unterzubringen. Wir müssen abwarten, ob die Vögel das Angebot mit den durch die Nester markierten Bäume annehmen“, sagt Kreissprecher Sönke Klug.

Wie berichtet, haben die großen Saatkrähenkolonien auf dem Krankenhausgelände von Sanderbusch sowie in Jevers Innenstadt mit mehreren hundert Brutpaaren im vergangenen Jahr monatelang für einen Streit gesorgt zwischen Naturschützern und Bürgern, die sich durch die große Anzahl der Vögel massiv gestört fühlen.

In Sande sind vorige Woche alle Nester, die die Herbststürme nicht aus den Bäumen geweht haben, entfernt worden. Ebenso in Jever.


Für das Krähen-Experiment in Barkel hat Christian Finkenstaedt Land zur Verfügung gestellt. Er erinnert sich, dass in Barkel und auch in Accum noch bis 1946 große Krähenkolonien ansässig waren. Englische Soldaten haben die Jungtiere in den Brutkolonien geschossen, die habe seine Oma dann für die Briten braten müssen. „Das gab ein großes Festmahl bei uns im Garten“, erinnert sich Finkenstaedt. Danach waren die Kolonien so dezimiert, dass sie sich nicht mehr erholten.

„Wir können hier in Barkel etwas für die Krähen tun“, sagt Ingo Logemann von der Unteren Naturschutzbehörde. Ob die Vögel das neue Refugium annehmen und wie sich ihre Population entwickelt, werden aber erst die nächsten Jahre zeigen. Wenn es klappt, sollen auch die Nester aus dem Schlosspark in Jever entfernt und draußen in der Natur eingesetzt werden. Neue Krähennester im Stadtgebiete oder beim Krankenhaus würden entfernt, solange sich darin noch kein Gelege befindet.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever