Cloppenburg - Dass sich hinter der Mast von Geflügel eine ganze Industrie verbirgt, ist am Donnerstag in der Münsterlandhalle wieder einmal sehr deutlich geworden. 60 Aussteller und zahlreiche Referenten informierten im Rahmen der vierten Auflage des Fachforums Geflügelmast das interessierte Fachpublikum sowie etliche weitere Besucher in der Münsterlandhalle über Fütterung, Haltung, Tiergesundheit und Zucht. Neuartige Versorgungsstationen für Küken rückten an den Ständen ebenso in den Fokus wie Futtermittel und innovative Belüftungssysteme.

Arendt Meyer zu Wehdel, Präsident der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, eröffnete die Veranstaltung, die von der LWK, dem Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, „Land & Forst“ sowie der Bauförderung Landwirtschaft ausgerichtet wurde. In seinem Grußwort verwies Meyer auf die aktuell aufgetretenen Fälle der milden Vogelgrippe in der Region sowie die Entwicklungen und Forschungen bei der Tiergesundheit, die nicht zuletzt zu mehr Tierschutz führe.

Dass die Gesundheit des Geflügels auch im direkten Zusammenhang mit der Belüftung der Ställe steht, verdeutlichte Siegbert Bullermann, Belüftungsspezialist aus Markhausen, als einer von zahlreichen Referenten anschließend in seinem Vortrag zum Thema „Hitzestress bei Puten“. Er erläuterte zahlreiche Neuerungen, um die Kühlung insbesondere bei hohen Außentemperaturen im Sommer zu gewährleisten.

Eva-Maria Bügener, Tierärztin der Tierarztpraxis Wilms-Schulze Kump aus Visbek, stellt in ihrem Vortrag die grundlegenden Methoden heutiger Tränkwasserhygienemaßnahmen vor. „Wasser gilt in der Tierproduktion als wichtigstes Futtermittel und spielt somit auch in der Hähnchenmast eine besondere Rolle zur Erhaltung der Körperfunktionen“, so Bügener. Um bei den hohen Stalltemperaturen der Verbreitung von Keimen in den Leitungen keine Chance zu geben, stellte sie unter anderem eine Trinkwasseraufbereitung mit Hilfe von Elektrophorese vor. Dabei wird Tränkwasser durch den Einsatz von Elektrizität und Kochsalz ionisiert.

Solche Maßnahmen können sich rentieren, wie Tierarzt Dr. Erwin Sieverding aus Lohne, betonte. Denn durch eine weitere Optimierung von Haltung, Lüftung, Fütterung, Tränkwasserhygiene sowie die Obacht bei der Zucht verringere sich der Arzneimittelverbrauch. So sei zwar ein genereller Verzicht auf Antibiotika nicht möglich, doch ein umsichtiger Umgang sei Teil aktiven Tierschutzes und trage zu einer effizienteren Lebensmittelproduktion bei.


Einem anderen Bereich der Tiergesundheit, nämlich dem Kannibalismus und Federpicken bei Puten, widmete sich Dr. Jutta Berk vom Friedrich-Loeffler-Institut in Celle. Sie hatte untersucht, ob Puten, denen der Schnabel nicht gekürzt wurde, eventuell durch besondere Fütterungstechniken, reizarme Haltung und Beschäftigungsmöglichkeiten im Stall von der Verstümmelung Abstand nehmen. Ergebnis: Die Situation habe sich entspannt, doch ganz hätten die Tiere nicht voneinander abgelassen, so das Fazit. Es bestehe „zweifellos weiterer Forschungsbedarf“.  

Anuschka Kramer
Anuschka Kramer Team Nord