Varel - Im blauen Rampenlicht stand Gerold Tetzlaff etwas abseits. Während auf der Bühne in der Halle 35 des Werkes von Premium Aerotec die Konzernchefs die neue Fertigungsstätte für die Produktion von Flugzeugteilen im 3-D-Druck-Verfahren eröffneten, war der 56-Jährige bereits mit den Gedanken bei der Arbeit. „Diese neue Technologie mit voranzutreiben, bringt unendlich viel Spaß“, sagt der Bockhorner.

Am Mittwoch ging in der umgebauten Fabrikhalle auf dem Werksgelände am Riesweg die Produktion offiziell in Serie. Gerold Tetzlaff gehört zu dem Team, das die Laser, mit denen Titanstaub zu fertigen Flugzeugteilen aus einem Stück verschmolzen werden, bedient.

„Ich bin unendlich stolz, dass ich in meinem Alter noch diesen Schritt zu dieser hochmodernen Technik machen darf und mithelfen kann, diese weiter zu entwickeln“, sagt er. Weltweit ist Premium Aerotec in diesem Produktionssegment führend.

Gerold Tetzlaff hat 1981 im Betrieb als Maschinenbediener angefangen. „Das war an einer ganz kleinen Deckelmaschine“, erinnert er sich. Innovation und Zukunftstechnik haben ihn aber stets interessiert. „Ich bin immer wieder an neue Maschinen gekommen und habe sie auf dem Weg zur Serienreife begleitet“, sagt Gerold Tetzlaff.

Vor fünf Jahren habe er sich dann auf eine Stelle im benachbarten Technologiezentrum beworben und dort zunächst an Werkzeug- und Fräsversuchen mitgearbeitet. „Als ich hörte, dass am 3-D-Druck experimentiert wird, habe ich mir gesagt: Das ist etwas ganz Neues, da möchtest du unbedingt dabei sein.“ Er überzeugte seine Vorgesetzten. Heute bedient der Facharbeiter die hochmodernen Laserdrucker in der Größe eines Kleinbusses und im Wert von mehreren Millionen Euro, an deren Entwicklung und Tests er beteiligt war.


Dass der Druckvorgang – das erste Serienbauteil entsteht in rund 30 Stunden – dabei fast vollständig ohne menschliche Hilfe vonstatten geht, stört Gerold Tetzlaff nicht. „Es gibt immer etwas zu tun. Zudem koordiniere ich viel“, betont er: „Wenn ein Druckjob läuft, bereite ich bereits den nächsten vor.“

Produziert wird derzeit der sogenannte „Vent Bend“, ein Maschinenteil für den Airbus-Militärtransporter A 400 M. Der Krümmer ist Teil der Treibstoffleitung, die den Tank mit dem Triebwerk verbindet. Doch das soll nur der Anfang sein. „Ich hoffe, dass die Vision von unserem Werksleiter Gerd Weber wahr wird“, sagt Tetzlaff. „Möglich ist ein Maschinenpark mit bis zu 100 3-D-Druckern“, meint Weber. „Dann brauchen wir noch einige Kollegen mehr“, sagt Tetzlaff und grinst. Seine Arbeit ist längst nicht beendet.

Olaf Ulbrich
Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.)