Rodenkirchen - Nach dem Absturz im vergangenen Jahr stabilisiere sich der Milchpreis derzeit bei 32 Cent je Liter. Für die zweite Jahreshälfte werde ein positive Tendenz erwartet. „Die ist aber von der weiteren Entwicklung abhängig. Wir müssen abwarten, wie sich der Trump-Effekt – America First – auswirkt“, machte Kreislandwirt Dr. Karsten Padeken deutlich.
Die Entwicklung des Weltmarktes ist aber nicht die einzige Ungewissheit, die die Landwirte vor weitere Probleme stellen könnte. Während der Jahreshauptversammlung des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch am Donnerstagabend in der Rodenkircher Markthalle wies dessen Vorsitzender Karsten Padeken vor rund 200 Teilnehmern insbesondere auf bevorstehende gesetzliche Maßnahmen hin, die die Landwirtschaft nicht hinnehmen könne.
Die Situation für die Milchbauern in der Wesermarsch bezeichnete der Kreislandwirt als angespannt. Der Milchpreis reiche noch nicht aus, um Löcher stopfen, geschweige Investitionen vornehmen zu können. Casten Padeken bedauerte, dass der Vorschlag des Kreislandvolks für eine europäische Mengenreduzierung keine Mehrheit gefunden hat.
Ende März werde die neue Düngeverordnung im Bundesrat verabschiedet, sagte Karsten Padeken. Sie werde für die Grünlandbetriebe gravierende Veränderungen bringen. Die vorgesehenen Verschärfungen – die zulässigen Grenzwert für Stickstoff werden pro Hektar gesenkt – seien nicht vertretbar und auch nicht gerechtfertigt, weil wes auf dem Grünland gar kein Nitratproblem gebe.
Als einen massiven Eingriff in die Eigentumsrechte bezeichnete der Kreislandvolk-Vorsitzende die geplant Änderung des Niedersächsischen Wassergesetzes. Vorgesehen ist unter anderem ein Ausbringungsverbot von Düngemitteln aller Art einschließlich Wirtschaftsdünger und Pflanzenschutzmitteln auf einem fünf Meter breiten Randstreifen entlang aller Oberflächengewässer. Davon wären über 10 000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche in der Wesermarsch betroffen, was einen Wirtschaftverlust von 10 bis 15 Millionen Euro bedeuten würde, machte Karsten Padeken deutlich.
Ein Jahr wie 2016 mit etlichen Betriebsaufgaben und vielen Ängsten, wie er es in seiner beruflichen Laufbahn noch nie erlebt habe, müsse er nicht noch einmal haben, sagte Kreislandvolkgeschäftsführer Manfred Ostendorf. Die vielen jungen Leute in den Berufsschulen und Universitäten, die in die Landwirtschaft wollen, machten aber Hoffnung. Sie ständen zudem im Widerspruch zu den Aussagen der Demagogen, die die Landwirtschaft in einem schlechte Licht erscheinen lassen.
Auch 2017 werde die Milchwirtschaft wieder ein bedeutsames Thema sein. Zudem erwartet Manfred Ostendorf, dass auch die Gänse, die Weiden kahlfressen und verkoten, sowie der Wolf für mehr Diskussionen auch in der Wesermarsch sorgen werden. „Wir werden aber nicht die ganze Wesermarsch einzäunen können“, sagte der Kreislandvolkgeschäftsführer.
Für langjährige ehrenamtliche verdienstvolle Tätigkeit in ihren Ortslandvolkverbänden ehrten Karsten Padeken und Manfred Ostendorf die Vorstandsmitglieder Rainer Mönnich (Köterende), Peter Beerepoot (Esenshammergroden) und Georg Lübben (Langenriep bei Abbehausen) mit der silbernen Ehrennadel und einer Urkunde des Niedersächsischen Landvolkverbandes.
