Nordenham - Möglicherweise können Nordenhamer Indus-triebetriebe statt wie bisher mit Trinkwasser in einigen Jahren auch mit gereinigtem Brauchwasser versorgt werden. Eine Pilotanlage soll zeigen, ob und inwieweit das technologisch und wirtschaftlich möglich ist und dabei die Qualitätsansprüche für die Produktionsprozesse der Betriebe erfüllt werden können.

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) will die Filtrationsanlage auf dem Gelände des Nordenhamer Klärwerks installieren. Genutzt werden soll das vorbehandelte Abwasser der Kläranlage aus dem Ablauf der Nachklärbecken.

Der Stadt würden keine Kosten entstehen. Der Bau- und der Umweltausschuss des Stadtrates haben Mittwochabend einstimmig grünes Licht gegeben.

Zuvor hatten im Ausschuss OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht und Projektingenieurin Kerstin Krömer das Vorhaben erläutert. Danach geht der Verband für die nächsten Jahre von einer eher stagnierenden Nachfrage nach Trinkwasser in Haushalten aus, aber von einer steigenden Nachfrage in der Industrie. Um Grundwasserbereiche zu schonen und die Grundwasser-Neubildung zu fördern, soll ein Teil der Versorgung der Industrie durch Brauchwasserkonzepte ersetzt werden.

Dafür kommt im Verbandsgebiet des OOWV wegen der Industriedichte besonders Nordenham in Frage. Kronos Titan, die Zinkhütte, Weser-Metall, Premium Aerotec, NSW, die Firma Nordenhamer Transportbeton und ATB Motorentechnik sind große Wasserverbraucher.


Sollte die Pilotanlage positive Ergebnisse bringen, könnte eventuell ab dem Jahr 2020 eine reguläre Anlage auf dem Klärwerksgelände installiert werden. Das gereinigte Brauchwasser würde dann über ein gesondertes Leitungsnetz den nicht weit entfernten Industriebetrieben zugeführt.

Die Pilotanlage könnte im Jahr 2016 errichtet werden. Denn ab dann fließen Fördergelder aus dem Programm „WavE“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Damit sollen Forschungsvorhaben zur Erhöhung der Wasserverfügbarkeit durch Wasserwiederverwendung und Entsalzung gefördert werden. Der OOWV beantragt für die Nordenhamer Pilotanlage Zuschüsse aus diesem Programm.

Die Pilotanlage soll in einem Container auf dem Klärwerksgelände untergebracht und voll automatisch betrieben werden. Die Kombination verschiedener Verfahrenstechniken soll getestet werden. Was hat Nordenham davon? Laut OOWV würde die Wasserversorgung der Stadt damit weiter gesichert und der Standortfaktor Wasser für die Industrie gestärkt. Mit der Erprobung neuer Technologien würde in Nordenham zudem ein globaler Beitrag zum Schutz der Grundwasserversorgung geleistet.