Neuvrees - Amerika, das gelobte Land. Die Neue Welt war für viele Auswanderwillige im 19. Jahrhundert Ziel nicht nur ihrer Träume. Die Aussicht auf ein gutes Stück Land, eine eigene Farm in wirtschaftlich schlechten Zeiten daheim – das zog auch viele Menschen aus Neuvrees über den Atlantik. Die ersten Auswanderer aus Neuvrees verließen in den 1850er Jahren die Gemeinde, berichtet Margret Bruns in der aktuellen Chronik, die anlässlich der 225-Jahr-Feier von Neuvrees erscheinen wird.

Offenbar stellten die Auswanderer die Ortschaft vor Probleme. Ortsvorsteher Jansen forderte deshalb die Muttergemeinde Vrees auf, Boden in neuen Kolonien „tüchtigen Bewerbern“ umsonst und in auskömmlicher Menge zu geben. „Auswanderungen nach Amerika würden aufhören“, so der Vorsteher. „Für das Geld, was die nach Amerika auswandernde Familie allein an Reisekosten anlegen muß, würde die Selbe sich hier eine für sich und für den Staat nutzbringende Zukunft gründen können.“

Einer der ersten Neuvreeser Auswanderer war 1850 der Schneider Johann Hermann Jansen, Ziel ist nicht bekannt. Die Verschiffungskosten übernahm die Gemeinde Vrees. Einige Jahre später folgten die Geschwister Theresia, Maria Anna, Christine und Clemens Ull. 79 Namen umfasst die Liste der Auswanderungen aus Neuvrees, die sich New York, St. Louis, Baltimore, Chicago oder Cincinnati (Ohio) zum Ziel ihrer Träume erkoren hatten.

Gerhard und Johann Robbers wanderten 1881 nach Chicago aus – zu ihrer Tante, Helena Meyer, geb. Kramer, die dort eine Essigfabrik betrieb. Da ihr Familienname im amerikanischen Räuber bedeutet, nannten sie sich fortan Robert. Im Alter von gerade 16 Jahren zog es 1863 Hermann Pieper über Baltimore, Maryland nach Cincinnati.

Nicht nur die wirtschaftliche Not führte zu der Entscheidung vieler, auszuwandern, für einige war es auch die Wehrpflicht: Johann Gerhard Tiehe aus Neuvrees und Wilhelm Fortwengler aus Neuarenberg (Gehlenberg) wurden angeklagt, „ohne Erlaubnis die königlichen Lande verlassen und sich dadurch den Eintritt in den Dienst des stehenden Heeres zu entziehen gesucht zu haben“.

In Neuvrees wurde nicht nur die Verabschiedung der Auswanderer kräftig gefeiert, auch der Besuch aus Amerika war ein großes Fest – etwa der von Theodor, Heinrich und Bernhard Steenken, die 1956 nach 31 Jahren zum ersten Mal wieder nach Neuvrees kamen – samt amerikanischem Schlitten.

Eine neue Auswanderungswelle begann mit Beginn des ersten Weltkrieges, weitere 13 Menschen zog es nach Kanada, USA oder Argentinien.

Der letzte Auswanderer aus Neuvrees ist Alexander Winterholler, der seit 2007 mit Frau Olga in Kanada lebt.