NEUENKOOP/BERNE - „Wenn in diesem Jahr nichts passiert, brennt der Baum.“ Keine Frage, Martin Kusch liebt deutliche Worte.
Was den Bauberater auf die Palme bringt? Zunächst einmal der Zustand der Straßen im Neubaugebiet Neuenkoop. Damit nicht genug: Auch das Handeln, beziehungsweise Nicht-Handeln des Berner Rathauses und die Art und Weise wie die Verwaltung ihn behandelt.
Doch zur Sache: Seit 2001 wohnt Kusch mit seiner Frau an der Straße Auf der Tenne im Neubaugebiet. Als er damals den Kaufvertrag für das Grundstück unterschrieb – Verkäufer war die inzwischen wieder in Gemeindebesitz überführte Stedinger Gesellschaft – ging er davon aus, dass die Straßen im Neubaugebiet, Bordsteine, Kanalisation und Straßenlaternen zeitnah fertiggestellt werden. Auch ein Lärmschutzwall war den Neu-Neuenkoopern versprochen worden.
Doch sein Wunsch erfüllte sich nicht: „Wir fahren heute noch auf Schotterstraßen, von Bordsteinen ist nichts zu sehen, auf neue Straßenlaternen warten wir seit Jahren und die Oberflächenentwässerung funktioniert nicht wie sie soll“, so Kusch. „Ich frage mich, wo das Geld, das wir für die Erschließung bezahlt haben, geblieben ist.“ Immerhin 5000 Euro seien das in seinem Fall gewesen, über 100 000 Euro insgesamt.
Dabei liegt das Neubaugebiet seit 2004 im Dornröschenschlaf. Will heißen, vor vier Jahren wurde der letzte Neubau bezogen. Kusch: „Danach ist nichts mehr passiert.“
Irgendwann wurde Kusch nervös. Ende März 2008 war seine Geduld am Ende: „Da habe ich bei der Gemeinde angerufen. Wollte wissen, wie es weitergeht.“ Doch das Rathaus half nicht wirklich weiter: „Man sagte mir, dass es doch eine Asphaltstraße im Baugebiet gebe“, so Kusch, „außerdem sei man für die Angelegenheit gar nicht zuständig.“ Der Neuenkooper gab nicht auf, nein, er drehte auf: „Ich hab’ im Rathaus angerufen und gesagt, dass ich den Bürgermeister innerhalb der nächsten vier Wochen sprechen will möchte.“ Seine Forderung blieb ungehört. Am 28. April klingelte er erneut im Rathaus durch, teilte mit, dass das für ihr das Ende der Fahnenstange erreicht sei. Zwei Tage später erhielt er ein „lustloses Schreiben“ (Kusch). Dort wurde ihm mitgeteilt, dass der Endausbau in Neuenkoop üblicherweise erst erfolgen könne, wenn 80 bis 90 Prozent der Grundstücke verkauft seien. Eine Auskunft, die Kusch nicht zufrieden stellte: „Ich habe noch am selben Tag im Rathaus angerufen und gesagt, dass ich zivilrechtliche Schritte einleiten, den Staatsanwalt und die Kommunalaufsicht einschalten werde.“
Letzteres macht er wahr: Kusch reichte in Brake Beschwerde ein. Der Kreis wiederum holte bei der Gemeinde eine Stellungnahme ein. Mit dem Ergebnis: „Gesetzliche Festlegungen zum Endausbau eines Baugebietes gibt es meines Wissens nicht, aber es ist allgemein üblich, erst bei einer fast vollständigen Bebauung eines Baugebietes den kompletten Endausbau vorzunehmen“, schrieb Bürgermeister Bernd Bremermann am 21. Mai an den Landkreis. Weiterhin teilte er mit, dass der im Kaufpreis der Grundstücke enthaltene Betrag für den erstmaligen Endausbau für die Erschließungsmaßnahmen und die Tilgung der Kredite verwendet worden sei. Die von Kusch geforderte Lärmschutzwand sei erst dann notwendig, „wenn die Bahnstrecke vollständig saniert ist und die Züge in Neuenkoop höhere Geschwindigkeiten fahren können“.
Mit diesen Antworten ist Kusch nicht zufrieden: „Laut Gutachten zum B-Plan ist der Lärmschutzwall zu errichten. Von einer sanierten Bahnstrecke steht da nichts.“ Er selbst werte Bremermanns Aussagen daher als „Missachtung von Bürgerrechten“.
Der NWZ sagte Bauaumtsleiter Bernd Geers Mitte Juni: „In Neuenkoop müssen 70 Prozent der Grundstücke bebaut sein, dann erfolgt der Endausbau.“ Dort seien zurzeit vielleicht 60 Prozent der Grundstücke bebaut. Angaben zum Lärmschutz mochte er keine machen. Überhaupt habe die Entwicklung des Neubaugebietes in der Zuständigkeit der SG gelegen.
Für Kusch und mehrere Nachbarn ist nun Ende Gelände. Sie schlagen den Klageweg ein: „Wir haben gute Chancen, unser Geld zurückzubekommen“, ist sich Kusch sicher. Mehr noch: „Wir sind betrogen worden. Und das lassen wir uns nicht gefallen.“ Nicht auszuschließen, dass die Neuenkooper bald vor dem Rathaus demonstrieren.
