Neuenwege - Wäre man ein Ochse, man würde sich wohl ein Leben bei den Reuters wünschen. Die Zeit, bis es letztlich zur Schlachtbank geht, ist zwar auf drei Jahre begrenzt – aber es sind schöne Jahre. Von Mitte April bis Mitte Oktober auf der Weide, im Winter freilaufend im modernen Stall, wo man auf Stroh steht und nicht auf Gülle. Und auf dem letzen Gang lassen einen die Reuters auch nicht allein. „Einer von uns begleitet die Tiere immer zur Schlachtung“, sagt Heiko Reuter und fügt hinzu: „Einfach ist das nicht.“
Als Ochsenmäster betätigen sich die Reuters seit 1994. Auf dem Hof an der Holler Landstraße waren schon Heiko Reuters Großvater und Vater als Landwirte tätig. Während seine Eltern noch Milchwirtschaft betrieben, hielt sein Opa bis in die 1980er auch schon einmal Ochsen. Daran kann sich der heute 54-Jährige gut erinnern.
Das Hoffest wird an diesem Sonntag von 11 bis 17 Uhr auf dem Hof Reuter, Holler Landstraße 284, gefeiert.
Ein großer Parkplatz an der Holler Landstraße wird ausgewiesen. Einen Fahrrad-Abstellplatz gibt es am Tweelbäker Weg.
Mehr als 20 Aussteller aus der Region laden zum Genießen, Probieren und Informieren ein. Mit dabei sind zum Beispiel der Milchhof Diers, Café Klinge, Schleiferei Julius Freyer, Slow Food, Weltladen Oldenburg, Käse „Sieben Ziegen und „Kostbar“ – das Portal für nachhaltiges Leben in Oldenburg. Neben dem Ochsen am Spieß gibt es noch weitere Spezialitäten. Wer Äpfel mitbringt, kann sie hier zu Saft pressen lassen.
Auf Kremserfahrten, das sind Touren mit einem Planwagen, können die Gäste sich einen Überblick über die natürliche Weidehaltung verschaffen. Für die kleinen Gäste stehen verschiedene Aktivitäten zu Verfügung.
Er selber ist gelernter Fahrzeugbauer. „Eben auch ein Bauer“ sagt seine Frau Lore lachend. Die Reuters bewirtschaften ihren Hof im Nebenerwerb. Da hilft die ganze Familie mit. Die Töchter Saskia (19) und Selina (23) unterstützen ihre Eltern. Sohn Sven (27), gelernter Landwirt, ist mittlerweile in den Betrieb miteingestiegen. Hauptberuflich arbeitet er als Verkäufer in einer Firma für Fütterungstechnik in Wüsting. Seine Frau Angelika kümmert sich derweil nicht nur um Töchterchen Marlene (16 Monate) und den vier Jahre alten Sohn Gero, sondern auch um 130 Hühner und zwei Hähne. Auch das Federvieh hat’s bei den Reuters gut. Ihr mobiler Hühnerstall, der weitläufig einzäunt ist, „wandert“ nämlich über das Anwesen – und so gibt es immer auch frisches Grün zu picken. Die Hühner bedanken sich mit frischen Eiern.
Kurze Wege, wenig Verpackung und saisonaler Handel: Das sind Schlagwörter, die Heiko Reuter nennt, wenn er von der Ochsenmast erzählt. Die Tiere kauft er bei Aufzuchtbetrieben aus der Region. Er oder ein anderes Familienmitglied holt die Tiere dort ab. Zurzeit umfasst die Herde 50 Ochsen. Die Tiere dürfen auf naturbelassenen Flächen der Stadt (Kompensationsflächen) weiden. „Die sind hier Umkreis“, sagt Reuter. Drei Jahre bleiben die Tiere, dann werden sie in einem kleinen Betrieb in der Nähe geschlachtet. „In Einzeltier-Schlachtung, im Herbst.“
Das Fleisch müsse langsam wachsen, erklärt der Kenner, Dann marmoriere es besser und werde schmackhafter. Alles hat also seine Zeit. Im Oktober wird das Frischfleisch dann vermarktet, ohne Zwischenhändler direkt vom Hof.
Zu ihren Tieren haben die Reuters eine enge Beziehung, Namen bekommen die Ochsen jedoch nicht – mit einer Ausnahme. „Geronimo“, sagt Sven Reuter, „das war mein Rennochse.“ Mit dem sei er in Rodenkirchen mal bei einem Ochsenrennen gestartet. Ist so ein Ochse denn schlau? Sven Reuter schüttelt den Kopf: „Nein, entweder steht er oder er läuft. Den muss man ganz schön locken. Es heißt ja nicht umsonst: Stur wie ein Ochse.“ Geronimo sei übrigens der einzige Ochse gewesen, bei dessen Schlachtung niemand von der Familie dabei sein mochte.
Drei Generationen leben jetzt auf dem Reuter-Hof. Sie laden für diesen Sonntag wieder (schon zum sechsten Mal) zum Hoffest ein. Und da sollen sich dann auch die Gäste „ochsenwohl“ fühlen.
